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Aktuelles

Bessere Bücher für blinde und sehbehinderte Schüler

Dissertationspreis der Stiftung HTWK für Dr. Julia Dobroschke

11.10.2016 Bildung

Dr. Julia Dobroschke entwickelte in ihrer Dissertation ein Konzept, wie Schulbücher für blinde und sehbehinderte Kinder einfacher hergestellt werden können.

Dr. Julia Dobroschke entwickelte in ihrer Dissertation ein Konzept, wie Schulbücher für blinde und sehbehinderte Kinder einfacher hergestellt werden können. , Quelle: Johannes Ernst/HTWK Leipzig

Anlässlich der Feierlichen Immatrikulation der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) am 10. Oktober 2016 im Gewandhaus zu Leipzig wurde Dr. phil. Julia Dobroschke der mit 3.000 Euro dotierte Dissertationspreis der Stiftung HTWK verliehen. In ihrer mit „summa cum laude“ bewerteten Dissertation zeigt Dobroschke auf, wie Schulbücher für sehbehinderte und blinde Kinder einfacher hergestellt werden können.

„Die Arbeit zielte darauf ab, teure barrierefreie Sonderlösungen zu vermeiden, indem die Prinzipien des ‚Universellen Designs‘ angewandt werden“, heißt es in der Begründung der Jury. Mit ihrer Arbeit liefere Dobroschke einen „höchst wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes“.

Kommt ein blindes oder sehbehindertes Kind ins schulpflichtige Alter, kann es auch in die erste Klasse einer Regelschule eingeschult werden. Zu diesem Recht auf Inklusion hat sich Deutschland mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 verpflichtet. Allerdings liegen im Regelfall die Schulbücher, mit denen die Erstklässler unterrichtet werden, nicht in Blindenschrift vor.

Jedes Lehrbuch muss erst zeitaufwendig und häufig mit viel Handarbeit von einem speziellen Medienzentrum „übersetzt“ und didaktisch aufbereitet werden. Das ist nicht nur ausgesprochen teuer, sondern kann gut und gerne ein bis zwei Jahre für ein einzelnes Lehrbuch dauern. Für ihre Dissertation hat Julia Dobroschke untersucht, wie der Herstellungsprozess inklusiver Lehrmaterialien durch den Ansatz des „Universellen Designs“ vereinfacht werden kann.

„Die Idee ist, Dinge bereits ‚universell‘ zu konzipieren, damit sie zu einem hohen Grad zugänglich sind. Wenn das von Anfang an mitgedacht wird, muss später weniger nachgearbeitet werden. Aus medienneutralen Daten können dann didaktische Materialien für Schüler mit oder ohne Einschränkungen und in verschiedenen Formaten erzeugt werden – vom normalen Buch über eines in Blindenschrift bis hin zu interaktiven, digitalen Medien“, so Julia Dobroschke. Eine konsequente Umsetzung des „universellen Designs“ nütze sehenden wie sehbehinderten Kindern gleichermaßen.

Julia Dobroschke studierte im Diplomstudiengang Verlagsherstellung an der HTWK Leipzig. Im Anschluss arbeitete sie an der Deutschen Zentralbücherei für Blinde (DZB) in Leipzig und stieß dort auf das Problem, dass Lehrbücher für Sehbehinderte nicht einfach nur übersetzt, sondern didaktisch neu aufbereitet werden müssen. Daraus entwickelte sie ihr Promotionsthema „Produktionsprozesse für Lehrwerke im Universellen Design unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen blinder und sehbehinderter Kinder im Inklusionsunterricht“, zu dem sie von 2012 bis 2015 unter Betreuung von Prof. Ulrich Nikolaus, Fakultät Medien der HTWK Leipzig, und Prof. Siegfried Lokatis, Fachbereich Buchwissenschaft am Institut für Kommunikations-und Medienwissenschaft der Universität Leipzig, forschte.

Unterstützt wurde sie dabei durch ein Promotionsstipendium des Freistaats Sachsen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). Nach Abschluss ihrer Promotion kehrte Julia Dobroschke an die DZB zurück, wo sie aktuell in einem Projekt zu barrierefreien Informations-und Kommunikationsangeboten in Sachsen arbeitet.


Dieser Artikel wurde veröffentlicht von: Marcus Jaeger

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