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Aktuelles

Universität Leipzig zeigt Gemälde von Minkewitz und Tübke

Dauerausstellung von "Aufrecht stehen..." und "Arbeiterklasse und Intelligenz" feierlich eröffnet

31.03.2015 Kunst

Maler Reinhard Minkewitz vor seinem Gemälde

Maler Reinhard Minkewitz vor seinem Gemälde , Quelle: Kustodie / Universität Leipzig

Die beiden Gemälde "Aufrecht stehen..." von Reinhard Minkewitz sowie "Arbeiterklasse und Intelligenz" von Werner Tübke sind ab sofort im Hörsaalgebäude der Universität Leipzig zu sehen. Zum Auftakt der Dauerausstellung hatten am heutigen Montag, 30. März, die Stiftung Friedliche Revolution und die Universität Leipzig zu einer festlichen Vernissage eingeladen. Beide Kunstwerke können montags bis freitags jeweils zwischen 7:00 und 21.00 Uhr besichtigt werden.

"Die Geschichte, die beide Bilder verbindet, wird Diskussionen anregen", sagte die Rektorin der Universität, Prof. Dr. Beate Schücking, während der feierlichen Vernissage, bei der auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung sprach. Michael Kölsch vom Vorstand der Stiftung Friedliche Revolution verwies darauf, dass beide Werke für sich und für die Zeit stehen, in der sie geschaffen wurden. "Sie konkurrieren, kommunizieren und profitieren voneinander - auch durch die räumliche Nähe. Das Spannungsfeld zwischen ihnen klagt an, klärt auf und mahnt", fügte er hinzu. Die Stiftung hat der Universität das Minkewitz-Gemälde als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Die Festrede bei der Vernissage hielt unter dem Titel "Aufrecht stehen..." Werner Schulz, Bürgerrechtler und Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Friedliche Revolution. Frank Zöllner, Direktor des Instituts für Kunstgeschichte, ordnete beide Gemälde kunsthistorisch ein.

Auf dem Tübke-Gemälde aus den 1970er Jahren sind mehr als 100 Personen dargestellt - Mitglieder und Studenten der damaligen Karl-Marx-Universität, Bauarbeiter des Universitätsneubaus am Augustusplatz und drei politische Funktionäre. Mit der Vielfalt der bildlichen Darstellung eröffnen sich nach Ansicht Schückings breite Interpretationsspielräume, entsprechend sind über dieses wichtige Werk bereits viele Vorträge gehalten und Bücher geschrieben worden. "Ich bin gespannt darauf, wie die neue Generation von Studierenden und Lehrenden an der Universität ihren Weg finden wird, sich von den Bildern anregen zu lassen zu Diskurs und Dialog, zur Auseinandersetzung mit Zeiten, in denen studentische Freiheiten, ja der Zugang zum Studium selbst reglementiert war. Und ich bin sicher, dass auch die außeruniversitäre Öffentlichkeit sich daran beteiligt", betonte die Rektorin.

Das 3,20 mal 14 Meter große Tübke-Wandbild entstand von 1970 bis 1973 als Auftragsarbeit für die Karl-Marx-Universität und wurde im damaligen Hauptgebäude platziert. Nun hängt es im Hörsaalgebäude im Foyer des zweiten Obergeschosses. Eine Etage tiefer ist das von Minkewitz geschaffene Gemälde zu sehen, zu dem der Künstler vor etwa neun Jahren vom Schriftsteller Erich Loest angeregt wurde. "Loest wollte, dass die Antwort auf oder besser der Kommentar zu Werner Tübkes 'Arbeiterklasse und Intelligenz' mit dem Pinsel und nicht nur mit der Feder gegeben wird. Er wollte einen Dialog zwischen zwei Bildern anregen und diesen quasi materialisieren - verorten an dieser Universität, an authentischer Stätte. Einer Stätte der Bildung, auch der politischen Bildung und daher besonders geeignet für die Auseinandersetzung mit Vergangenheit - für Studierende wie Lehrende", sagte Michael Kölsch.

Das Minkewitz- Gemälde, das in der Langform den Namen "Aufrecht stehen - für Herbert Belter, Ernst Bloch, Werner Ihmels, Hans Mayer, Wolfgang Natonek, Georg-Siegfried Schmutzler" trägt, zeigt Männer, die auf unterschiedliche Weise in den Anfangsjahren der DDR mit KGB und SED-Führung in Konflikt gerieten und dafür zum Teil mit langen Haftstrafen oder mit dem Leben bezahlt haben. Das Bild soll exemplarisch an die zahlreichen bekannten und unbekannten Opfer des SED-Regimes an der Universität Leipzig erinnern und diese gleichzeitig zur Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte anregen.

Das Kunstwerk Tübkes gilt als authentisches Zeugnis der Geschichte der Universität Leipzig zu Zeiten der DDR. Es ist eines der wichtigsten wandgebundenen Monumentalgemälde dieser Zeit. Wegen der ständigen Klimaschwankungen in der Umgebung muss es in einer speziell dafür hergestellten Vitrine ausgestellt werden. Das Gemälde ist auf eine wenig verdichtete Spanplatte aus DDR-Produktion gemalt, sodass diese Schwankungen ohne die Klimavitrine direkte Auswirkungen auf die Malschicht zur Folge gehabt hätten. Wichtige finanzielle Förderer des von der Kustodie der Universität Leipzig koordinierten Vitrinenprojektes sind Brigitte Tübke-Schellenberger und Dr. Eduard Beaucamp. Noch werden weiterhin Spender für das Projekt gesucht.

Die Platzierung des Gemäldes wurde ab 2004 von einer Kunstkommission entwickelt und in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Behet Bondzio Lin, dem Sächsischen Staatsbetrieb Immobilien- und Baumanagement und dem Dezernat Planung und Technik der Universität Leipzig umgesetzt. Die Kommission hielt es für wünschenswert, im Rahmen eines Kunstkonzepts mithilfe von Kunstwerken nicht nur historisch entferntere Epochen, sondern auch die DDR-Zeit zu beleuchten, um sich kritisch mit ihr auseinandersetzen zu können. Ein Leitgedanke dabei war, die Kunstwerke stets in einem historisch sinnvollen Raum unterzubringen. Bei dem Bild Tübkes bot sich an, es in den Gebäuden der 1970er Jahre aufzustellen.

Auf weitere Spenden ist auch die Stiftung Friedliche Revolution für das Minkewitz-Bild angewiesen. Sie hatte sich im vergangenen Jahr zur Übernahme des Projektes vertraglich verpflichtet und dabei auch zugesagt, den bei der Übernahme bestehenden Fehlbetrag von rund 48.000 Euro für die Kaufsumme durch Spenden einzuwerben.


Dieser Artikel wurde veröffentlicht von: Marcus Jaeger

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