Roboterautomatisierung in Deutschland: Wie weit ist die Roboterautomatisierung bereits fortgeschritten?

Die Roboterautomatisierung hat in deutschen Industrieunternehmen einen Stand erreicht, den weltweit nur zwei Länder übertreffen. Hinter den Spitzenwerten steht ein geteiltes Bild: Großbetriebe produzieren hochautomatisiert, viele kleinere Unternehmen stehen diesbezüglich erst am Anfang. Erhebungen der International Federation of Robotics und des Statistischen Bundesamts zeigen, wie unterschiedlich weit Branchen und Betriebsgrößen in Sachen Roboterautomatisierung mittlerweile vorangekommen sind.

Welchen Umfang hat die Roboterautomatisierung in deutschen Industrieunternehmen mittlerweile erreicht?

Ende 2024 standen 278.900 Industrieroboter in deutschen Produktionshallen, vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. Rund 40 Prozent aller Fabrikroboter in der Europäischen Union arbeiten somit in hiesigen Industrieunternehmen. Etwa 27.000 Industrieroboter kamen 2024 neu hinzu, der zweitbeste je gemessene Wert.

Die deutsche Roboterautomatisierung stützt sich zugleich auf eigene Hersteller: 31.200 Industrieroboter liefen 2024 hierzulande vom Band, zehn Prozent weniger als 2023. Heimische Produzenten deckten sechs Prozent des weltweiten Bedarfs.

Wo genau steht die Roboterautomatisierung in Deutschland im internationalen Vergleich?

Den Automatisierungsgrad misst die Roboterdichte. In Deutschland kommen 449 Industrieroboter auf 10.000 Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe. Höhere Werte erreichen weltweit nur Südkorea und Singapur mit bis zu 818 Einheiten, Japan folgt knapp dahinter mit 446 Einheiten. Der EU-Durchschnitt liegt bei 231 Einheiten, der globale Mittelwert liegt bei 132 Einheiten.

Bezüglich der jährlichen Neuinstallationen belegt die Bundesrepublik Deutschland Rang fünf. Asien dominiert die Roboterautomatisierung überaus deutlich: 74 Prozent aller weltweiten Neuinstallationen des Jahres 2024 entfielen auf Asien, Europa kam auf 16 Prozent.

Welche Branchen treiben die Roboterautomatisierung derzeit besonders stark voran?

Das Wachstum der Roboterautomatisierung konzentrierte sich 2024 auf nur wenige Industriezweige. Drei Branchen steigerten ihre Bestellungen besonders kräftig:

  • Metallverarbeitung: 6.000 neue Roboter, somit ein Plus von 23 Prozent
  • Chemie und Kunststoff: 3.100 Installationen, somit ein Zuwachs von 71 Prozent
  • Elektroindustrie: 2.100 Einheiten, somit ein Anstieg um 18 Prozent

Die Automobilindustrie, traditionell der wichtigste Abnehmer, orderte dagegen nur 6.900 Roboter, ein Rückgang um 25 Prozent. Bei den Fahrzeugherstellern sanken die Installationen um 15 Prozent auf 4.300 Einheiten, bei den Zulieferern um 34 Prozent auf 2.700 Einheiten. Ein schwächeres Ergebnis gab es zuletzt vor 15 Jahren.

Der Marktanteil des Fahrzeugbaus an allen Neuinstallationen betrug damit noch 26 Prozent. Ob die Verschiebung von Dauer ist, lässt sich aus einem einzelnen Jahreswert aktuell nicht ableiten.

Hat die Roboterautomatisierung bereits den deutschen Mittelstand erreicht?

Amtliche Zahlen zur Verbreitung nach Betriebsgröße stammen aus dem Jahr 2020, eine aktuellere Erhebung des Statistischen Bundesamts fehlt. Wie viel kleinere Betriebe seither aufgeholt haben, bleibt offen. Das Gefälle war eindeutig: Im verarbeitenden Gewerbe nutzten 19 Prozent aller Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten Roboter.

Betriebe ab 250 Mitarbeitern kamen auf 53 Prozent, mittlere Firmen auf 27 Prozent, kleine Unternehmen auf neun Prozent. Ob sich die Roboterautomatisierung rechnet, hängt von wenigen Kennzahlen ab. Als Faustregeln gelten:

  • Eine komplette Roboterzelle kostet das 2,5- bis 4-Fache des Listenpreises des Roboters.
  • Die Wartung verursacht jährlich Kosten von drei bis fünf Prozent der Investitionssumme.
  • Klassische Systeme amortisieren sich in drei bis vier Jahren.

Das Mittelstand-Digital-Zentrum nennt eine Amortisationszeit unter vier Jahren als Argument für den Einstieg. Gegen eine Anschaffung sprechen unklare Einsparungen, eine geringe Auslastung und ein hoher Anpassungsaufwand.

Kollaborierende Roboter, sogenannte Cobots, erleichtern Betrieben ohne eigene Automatisierungsabteilung den Zugang. Weltweit wurden 2024 rund 64.500 dieser Systeme installiert, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr bei knapp zwölf Prozent Marktanteil.

Auf trennende Schutzzäune lässt sich nur bei begrenzter Kraft und Leistung sowie geeigneter Anwendung verzichten. Die meisten Gefährdungen entstehen erst bei der Integration der Zelle, den Rahmen setzt die 2025 überarbeitete Norm ISO 10218.

Wird der Fachkräftemangel die Roboterautomatisierung in Deutschland weiter vorantreiben?

Der allseits bekannte Personalengpass gilt meist als starkes Motiv für die Roboterautomatisierung, belastbare Studien dazu liegen für Deutschland aber nicht vor. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft blieben 2025 rechnerisch 369.516 Stellen für Fachkräfte unbesetzt.

Ein Drittel der offenen Positionen für Qualifizierte fand keine Besetzung. Gegenüber dem Vorjahr schrumpfte die Lücke um 24,1 Prozent. Erstmals seit der Pandemie gab es wieder mehr qualifizierte Arbeitslose als offene Stellen.

Kleine und mittlere Betriebe traf der Engpass überproportional. Global erwartet die International Federation of Robotics für 2025 rund 575.000 Neuinstallationen, bis 2028 sogar mehr als 700.000 pro Jahr. Auf Deutschland entfielen zuletzt etwa fünf Prozent des weltweiten Neugeschäfts.

Wie wird sich die Roboterautomatisierung in Deutschland zukünftig entwickeln?

Kurzfristig bremst die Konjunktur das Geschäft. Der Branchenverband VDMA rechnet für die deutsche Robotik und Automation 2025 mit 14,5 Milliarden Euro Umsatz, ein Minus von zehn Prozent.

Die Sparte automatisierter Komplettlösungen schrumpft voraussichtlich um 15 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Verschobene Investitionen infolge geopolitischer Spannungen und wachsender Wettbewerbsdruck aus Fernost belasten die Hersteller.

Mittelfristig entscheidet sich das Tempo der Roboterautomatisierung im deutschen Mittelstand. Dort ist der Nachholbedarf am größten: 91 Prozent der kleinen Betriebe arbeiteten 2020 ohne Roboter.

Ob Cobots und kalkulierbare Amortisationszeiten diese Quote verschieben, lässt sich mangels aktueller Erhebungen nicht beziffern. Die Roboterautomatisierung ist in Deutschland zwar weit fortgeschritten, jedoch aktuell noch ungleich verteilt.

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