Stadtschwärmer Leipzig
Wer keinen Insider kennt, schnappt sich dieses Buch und wird an die liebsten Orte von waschechten... Weiterlesen
Leipzig erlebt ein stetiges Wachstum, was auch die Schlafqualität seiner Bürger beeinträchtigt. Etwa 80 Prozent der Erwerbstätigen haben in Deutschland Schlafschwierigkeiten; in städtischen Gebieten ist dieser Anteil häufig noch höher als in ländlichen Regionen. Faktoren wie Lärm, künstliches Licht, unregelmäßige Arbeitszeiten und ständige Reizüberflutung tragen dazu bei, die natürlichen Erholungsphasen des Körpers zu stören.
Der Schlaf des Menschen wird vom zirkadianen Rhythmus bestimmt – einem biologischen Mechanismus, der auf Licht, Temperatur und Ruhe reagiert. In stark besiedelten Gebieten sind diese Reize jedoch gestört. Straßenbeleuchtungen, Bildschirme und Werbetafeln erhöhen die Lichtbelastung nach Einbruch der Dunkelheit, was die Produktion des Schlafhormons Melatonin verzögert und somit das Einschlafen erschwert.
Verkehrslärm kommt dazu. Die Weltgesundheitsorganisation nennt in ihren Environmental Noise Guidelines für Europa 45 dB(A) als Grenzwert für nächtlichen Straßenlärm, ab dem gesundheitliche Folgewirkungen dokumentiert sind. In Leipzigs Stadtteilen wie Zentrum-Süd, Reudnitz oder Plagwitz werden entlang der Hauptverkehrsachsen regelmäßig 55 bis 65 dB(A) gemessen. Wer dort ohne Schallschutzfenster wohnt, schläft statistisch gesehen allgemein schlechter, wacht häufiger auf, oft ohne sich dessen bewusst zu sein.
Wem diese äußeren Reize noch nicht zu schaffen machen, der hat ein zusätzliches Problem: Menschen sind unterschiedlich in ihrer Chronotyp-Ausprägung. Grob gesagt, gibt es Früh- und Spättypen. Wer als Spättyp seinem klassischen Bürorhythmus folgt, sammelt über die Woche ein sogenanntes soziales Jetlag an. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang das Cannabidiol (CBD) erwähnt. Der nicht psychoaktive Wirkstoff aus Nutzhanf ist in Deutschland bei einem THC-Gehalt von weniger als 0,3 Prozent rezeptfrei erhältlich, es sei denn, das Produkt wird als Arzneimittel angeboten. Wer in einem CBD Shop einkaufen möchte, sollte auf unabhängige Laboranalysen, die Herkunft des Hanfs und die Art des Extrakts achten. Empfohlen wird die schonende CO2-Extraktion.
Bevor auf Arzneimittel zurückgegriffen wird, lohnt sich ein Blick auf die Schlafhygiene. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin empfiehlt konstante Zubettgehzeiten, eine Schlafzimmertemperatur von 16 bis 18 Grad, die Vermeidung von Koffein nach 14 Uhr sowie den Verzicht auf Bildschirme 60 Minuten vor dem Schlafengehen. Diese Basismaßnahmen sind kostenlos und helfen den meisten Menschen mit leichten Schlafstörungen weiter.
Für viele kommen pflanzliche Präparate infrage. Baldrian, Hopfen, Passionsblume, Lavendel sind in der Kommission-E-Monografie beschrieben und werden auch schon seit Jahrzehnten eingesetzt. Die Wirkmechanismen sind sehr unterschiedlich gut erforscht, für die Baldrianwurzel existieren mehrere randomisierte Studien, die eine leichte Verbesserung der Einschlafzeit zeigen können.
Regelmäßige Bewegung ist der am besten belegte Faktor für erholsamen Schlaf. Bereits 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche, wie sie die WHO empfiehlt, verbessern die Tiefschlafanteile messbar. In Leipzig sind zum Beispiel der Auwald, der Cospudener See oder die Parkanlagen entlang der Weißen Elster niedrigschwellige Möglichkeiten. Wer morgens 20 Minuten Tageslicht tankt, stabilisiert zusätzlich den zirkadianen Rhythmus.
Bei der Ernährung ist eine leichte Abendmahlzeit spätestens drei Stunden vor dem Schlafengehen sinnvoll. Alkohol verkürzt zwar die Einschlafzeit, reduziert aber die REM-Phasen und führt zu unruhigem Schlaf. Wer über mehrere Wochen hinweg keine Besserung erzielt, sollte ein Schlaflabor aufsuchen, in Leipzig zum Beispiel am Universitätsklinikum oder am Herzzentrum, wo Polysomnographien nach anerkannten Standards durchgeführt werden.