Stadtschwärmer Leipzig
Wer keinen Insider kennt, schnappt sich dieses Buch und wird an die liebsten Orte von waschechten... Weiterlesen
Ferngesteuerte Flugmodelle sind eines der Hobbys, bei denen Technikbasteln mit viel Luftvergnügen verbunden werden kann. In und um Leipzig gruppieren sich zahlreiche Vereine um dieses Hobby, und seit 2021 gibt es auch für den Betrieb unbemannter Luftfahrzeuge EU-weit einheitliche Regelungen. Einsteiger sollten sich parallel zu ihrer ersten Fliegerei in drei Richtungen kundig machen: nach welchem Gelände sie Ausschau halten, was sie zu den Vorschriften wissen müssen und welches Modell sie zunächst auswählen.
Im Stadtgebiet Leipzig selbst ist der freie Modellflug stark eingeschränkt. Wohnsiedlungen, die Nähe des Flughafens Leipzig/Halle sowie Schutzgebiete (z.B. der Leipziger Auwald) lassen für den Flugbetrieb nur kleine Restflächen übrig. Die Landesdirektion Sachsen führt aber eine amtliche Liste der genehmigten Modellfluggelände. Zu den vereinsmäßig betreuten Plätzen in der Umgebung gehören unter anderem der Modellflugverein Leipzig-Holzhausen e.V., der MFC Leipzig-Süd e.V. mit Gelände bei Störmthal sowie der MSV Ackerflieger in Wiedemar am nordwestlichen Stadtrand. Letzterer verweist auf eine Aufstiegserlaubnis für Flugmodelle bis 25 Kilogramm und nimmt Gastflieger mit gültiger Modellflugversicherung und Lärmpass auf. Eine vollständige Übersicht der genehmigten Gelände in Sachsen stellt die Landesdirektion Sachsen bereit.
Für den ersten Kontakt sind Schnupperflugtage nützlich, wo der MFC Leipzig-Süd Termine veranstaltet, an denen Interessierte über eine gekoppelte Fernsteuerung (Lehrer-Schüler-Modus) ein Modell selbst steuern können, während ein erfahrener Pilot im Notfall eingreift. Genau in dieser Phase entscheidet sich häufig, welche Modellflugzeuge für den Einstieg tatsächlich geeignet sind, denn die Anforderungen an Stabilität, Trainerhilfen und Robustheit lassen sich am realen Flugverhalten besser abschätzen als im Prospekt.
Rechtlich gilt die EU Verordnung, die seit 31. Dezember 2020 in Kraft ist. Es wird zwischen den Betriebskategorien Open, Specific und Certified sowie den Risikoklassen C0 bis C4 unterschieden. Für die meisten Einsteigermodelle gilt die offene Kategorie mit maximal 120 Metern Flughöhe über Grund und Sichtflugpflicht. Der EU-Kompetenznachweis A1/A3 (auch kleiner Drohnenführerschein genannt) wird laut Luftfahrt-Bundesamt nach einem Online-Training und einer anschließend abzulegenden Online-Theorieprüfung (40 Multiple-Choice-Fragen, Bestehensgrenze 75 %) ausgestellt. Die Gebühr beträgt 25 Euro, das Zertifikat gilt fünf Jahre.
Für den Betrieb im Rahmen anerkannter Modellflugverbände (z. B. DMFV oder DAeC) gelten Sonderregelungen gemäß Artikel 16 der Durchführungsverordnung, die unter anderem auf Vereinsgeländen höhere Flughöhen zulassen. In Deutschland ist zum Betrieb von unbemannten Luftfahrzeugen (auch für Modelle unter 250 Gramm) eine Haftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben. Vereinsmitgliedschaften beinhalten diesen Versicherungsschutz in der Regel bereits.
Einige technische Kriterien, die den Lernerfolg begünstigen, lassen sich für das Einsteigermodell nennen. Trainer- und Motorseglermodelle mit hochliegender Tragfläche sind hier zu empfehlen, weil sie eigenstabil fliegen und Steuerfehler verzeihen. Als guten Kompromiss zwischen Windstabilität und Transportabilität erweist sich eine Spannweite von 90 bis 150 cm. Der Elektroantrieb mit bürstenlosem Motor und LiPo-Akku ist leiser, sauberer und wartungsärmer als Verbrenner, was gerade auf den Gastflügen und in Vereinsstrukturen mit Lärmauflagen von großem Vorteil ist.
Moderne Gyro-Assistenten wie z.B. SAFE oder AS3X, die die Fluglage selbsttätig stabilisieren und im Notfall auf Knopfdruck in die Horizontale zurückholen, haben sich als nützliche Hilfen für Einsteiger erwiesen. Fertigmodelle im RTF-Zustand (Ready to fly) bringen Fernsteuerung, Akku und Ladegerät gleich mit und sind sofort einsatzbereit, wohingegen bei den BNF-Modellen (Bind and fly) eine bereits vorhandene, dazu passende Fernsteuerung vorausgesetzt wird. Wer den Modellbau selbst als Teil des Hobbys versteht, findet mit einem ARF-Bausatz (Almost ready to fly) einen langsamen, aber lehrreicheren Einstieg.
Wendet man sich vor dem Kauf an einen Verein, kann man erfahrungsgemäß einige Fehlinvestitionen sparen. Die Kombination aus Lehrer-Schüler-System, einem bewährten Trainermodell und dem Kompetenznachweis A1/A3 bildet eine belastbare Grundlage, um die ersten Flugstunden strukturiert und rechtssicher zu absolvieren.