Passagen, Durchhöfe, Messehäuser

Das Flair der Leipziger Innenstadt wird vor allem durch die Besonderheiten der städtischen Architektur geprägt. Neben der zahlreich erhaltenen Altbausubstanz ist esdas einzigartige System an Passagen und Durchhöfen, bei dem Architekturbegeisterteimmer wieder ins Schwärmen geraten. Zwar verfügen Städte wie London, Paris und Hamburg ebenfalls über zahlreiche Geschäftspassagen, aber nur Leipzig besitzt ein so geschlossenes System dieser Bauten im Bereich der Innenstadt. Bemerkenswert dabei sind die verschiedenen historischen Formen, die erhalten geblieben sind.

Den Anfang machte der Durchhof. Er wurde gebaut, um besonders während derLeipziger Messen die Waren schnell verladen zu können, ohne den Wagen zuwenden. Ein weiterer Vorteil war, dass die Wege zwischen zwei Gebäudereihenverkürzt wurden. Heute vermittelt z.B. Kretschmanns Hof noch einen Eindruck dieser interessanten Bauweise.

Im Unterschied zum Durchhof, der verschiedene Gebäude miteinander verband,besaß das barocke Durchhaus des 18. Jahrhunderts einen einheitlichen Stil und einegeschlossene Gestalt. Die logistischen und ökonomischen Vorteile des Vorgängerbausblieben jedoch erhalten. Im Erdgeschoss befanden sich meist Läden und Gewölbe, imersten Stock Wohnräume und darüber die Warenlager. Von diesen architektonischen Kleinoden blieb in Leipzig nur der Barthels Hof erhalten, der nach seiner umfassenden Sanierung Mitte der 90er Jahre nun wieder im alten Glanz erstrahlt und zur Attraktion für Touristen geworden ist.

Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in Leipzig zahlreiche Messehäuser. DieseGebäude erschlossen Grundstücke und Räume, die ursprünglich nichts miteinander zutun hatten. So wurden z.B. Specks Hof oder die Mädler Passage über einer größerenAnzahl älterer Bauten errichtet. Das Beispiel des Städtischen Kaufhauses zeigt, dassdie Messehäuser oft sogar ganze Straßenblöcke umschlossen. Diese Architektur warauf die Anforderungen der neuen Mustermessen zugeschnitten. Wurden zuvor alleWaren nach Leipzig herangeschafft, verladen und während der Messen verkauft,führten die Geschäftsleute Ende des 19. Jh. nur noch Warenmuster vor. Dabei kam esauf eine möglichst effektvolle Präsentation in einem ansprechenden Ambiente an. Die Messehäuser wurden meist nur während der Messezeit genutzt.

Ob Steibs Hof, Zentralmessepalast, Stenzlers Hof oder Jägerhof - die Bauten beeindrucken noch heute mit ihrem architektonischen Anspruch, ihrer Pracht und Monumentalität. Allein im Bereich der Leipziger Innenstadt (Fläche von ca. 0,5 km2)entstanden zwischen 1893 und 1938 30 Messehäuser, die im Innern sehr funktional(Aufzüge, Licht, Pförtnerlogen) eingerichtet waren. Zu Leipzigs "Messe-Blütezeit" 1927 waren 50 Messehäuser in Betrieb.

Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 nutzten vor allem viele Immobilienunternehmen und Investoren die Chance, die historischen Passagen, Durchhöfe und Messehäuser zu sanieren. Dabei legte die Stadt Leipzig besonderenWert darauf, dass die zu DDR-Zeiten teilweise völlig verfallenen Bauten (z.B. WebersHof) eine dem Denkmalschutz entsprechende Sanierung erhielten. Dass dabei eingewisser Dr. Jürgen Schneider die "Filetstücke" der Leipziger Bausubstanz erworben hatte, ist hinlänglich bekannt.

Mit der Entwicklung eines neuen Messekonzeptes und der Verlegung der Leipziger Messe 1996 auf das neu erbaute Messegelände, verloren die innerstädtischen Messehäuser ihre eigentliche Funktion. In die ehemaligen Ausstellungsräume zogenMuseen, Galerien, Gastronomie, Geschäfte und Büros ein.Aber auch neue Passagen wurden gebaut (z.B. Brühl-Arkade, Strohsack, Petersbogen) und tragen mit ihrem modernen Charme ebenfalls zur Attraktivität der Innenstadt bei.

Bis auf wenige Gebäude, die noch nicht saniert sind (z.B. Oelßners Hof), findenBesucher heute in den Passagen und Messehäusern ein stimmungsvolles Ambientevor, das zum Flanieren und Verweilen einlädt. Hunderte von Geschäften strahlen mitihrem vielfältigen Angebot internationales Flair aus. Doch der Besucher findet hier

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