Homeoffice in Leipzig: So verbessern Sie die Akustik Ihrer Altbauwohnung

Kaum eine Stadt hat mehr Gründerzeitbauten als Leipzig. Wer in Plagwitz, Schleußig, Gohlis oder im Waldstraßenviertel wohnt, liebt hohe Decken, große Fenster und massive Dielenböden. Blöd nur, wenn die Wohnung zum Büro wird. Videocalls klingen hallig, Geräusche von der Tastatur stehen im Raum, und Worte aus dem Nebenzimmer sind deutlich zu hören. Seit 2020 ist der Anteil der Erwerbstätigen, die im Homeoffice arbeiten, konstant, viele Leipziger richten sich inzwischen Büroräume ein. Ein Thema, das lange nicht mehr beachtet wurde, rückt damit in den Fokus: die Akustik.

Warum unsere Altbauwohnungen akustisch so anspruchsvoll sind

Ein typischer Leipziger Altbau hat Deckenhöhen von 3,20 bis 3,80 Metern, Stuckelemente, glatte Wände und harten Bodenbelag. Das ergibt lange Nachhallzeiten, meist zwischen 0,8 und 1,4 Sekunden. Die DIN 18041, die Anforderungen an die Hörsamkeit in Räumen definiert, empfiehlt für Einzelbüros und konzentrierte Tätigkeiten Werte zwischen 0,4 und 0,6 Sekunden. Der Unterschied ist hörbar. Er zeigt sich in Videokonferenzen, in schlechter Sprachverständlichkeit und in einem messbar höheren Stresslevel bei längerer Nutzung.

Die Sabine-Formel liefert die physikalische Grundlage. Sie beschreibt den Zusammenhang zwischen Raumvolumen, absorbierender Fläche und Nachhallzeit. Ein 20 Quadratmeter großer Altbauraum mit 3,5 Metern Deckenhöhe hat rund 70 Kubikmeter Volumen. Um die Nachhallzeit spürbar zu senken, sind je nach Ausstattung zwischen fünf und zehn Quadratmeter zusätzliche Absorberfläche nötig. Vorhänge und Teppiche reichen selten aus, da sie überwiegend im höheren Frequenzbereich wirken.

Materialwahl und Platzierung im Raum

Wandmontierte Absorber gelten als effektivste Lösung, wenn Boden und Decke gestalterisch unberührt bleiben sollen. Wichtig sind der Absorptionsgrad und die Klassifizierung. Produkte der Klasse A haben Werte über 0,90 und wirken über einen großen Frequenzbereich. Für den Wohnraum eignen sich Paneele aus Melaminharzschaum, aus Polyesterfaser aus recyceltem PET oder Mineralwolle mit textiler Oberfläche. Wer Wert auf gestalterische Integration in sein Raumkonzept legt, wird bei Anbietern hochwertige Schallschutzplatten im Rechteckformat finden, die sich modular anordnen lassen und an klassische Wandtäfelungen erinnern.

Die Aufhängung orientiert sich an elementaren akustischen Regeln. Absorber wirken dort am stärksten, wo Schallwellen mit hoher Amplitude ankommen. Das sind in der Regel die Wände gegenüber der Schallquelle und seitlich daneben, gegenüber dem Schreibtisch und an der Wand hinter dem Monitor. Auch eine gleichmäßige Verteilung ist der punktuellen Konzentration vorzuziehen, da so stehende Wellen zwischen parallelen Wänden abgemildert werden. Faustregel: 15 bis 25 Prozent der Wandfläche mit Absorbermaterial belegt, erzielt man in den meisten Wohnräumen Wirkung.

Denkmalschutz und praktische Umsetzung

Zahlreiche Altbauten in Leipzig stehen unter Denkmalschutz. Dabei sind primär die Fassade und tragende Teile im Innern betroffen. Reversible Eingriffe an Wänden gelten zumeist als unproblematisch, sollten aber mit der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Leipzig abgestimmt werden, falls die Unsicherheit größer wird. Modulare Paneele lassen sich mit Klettbändern oder Magnethaltern oder wenigesten mit ein paar Schrauben anbringen und wieder rückstandsfrei abnehmen. Mieter freuen sich darüber, da keine baulichen Eingriffe im engeren Sinne stattfinden.

Klimatisch kommt hinzu, dass Absorbermaterialien Feuchtigkeit speichern und abgeben können. In Altbauten mit einer teils schwierigen Belüftung kommt das der Regulierung zugute. Der Blaue Engel, das eco-INSTITUT-Label oder das EU Ecolabel geben Auskunft über Schadstoffemissionen und die ökologische Verträglichkeit. Wer sich zum Kauf entschließt, sollte diese Belege beim Hersteller einfordern.

Empfehlungen
Nach oben