Der Einfluss der Stadterneuerung in Leipzig auf den Wohnungsmarkt

Während sich der Osten nach dem Mauerfall 1989 öffnete, befanden sich viele Städte der ehemaligen DDR in einem maroden Zustand. Besonders der Mangel an geeigneten Baustoffen, fehlende Arbeitskräfte, sowie die damalige Wohnungspolitik oder auch das politische Desinteresse der kommunistischen Regierung am Erhalt des vorhandenen Wohnraums hatten dazu geführt, dass viele Gebäude verfallen und sanierungsbedürftig waren.

Gleichzeitig zog es nach der Wende besonders im deindustrialisierten Leipzig vermehrt Einwohner in den Westen. So sah sich die Stadtverwaltung nicht nur renovierungsbedürftigen Gebäuden, sondern vermehrt auch leerstehenden Wohnungen gegenüber. Dennoch ergab sich gerade in Zusammenhang mit der Wiedervereinigung Deutschlands ab Oktober 1990 die Chance, ostdeutsche Städte wie Dresden, Leipzig oder Eisenach sukzessive zu erneuern. Wie sich die Stadterneuerung auf den Wohnungsmarkt ausgewirkt hat, zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag.

Frischer Wind im Osten

Vor allen Dingen der wachsende Bauboom und das steigende Interesse der Investoren in die Region ermöglichten es veraltete Gebäude zu sanieren und gleichzeitig neue Immobilien zu errichten. In Leipzig wurden insbesondere in der Innenstadt über 50 Prozent der bestehenden Gebäude erneuert und auf moderne Wohnbedürfnisse angepasst. Gleichzeitig entstanden in Leipzig diverse neue Großbauprojekte, die wiederum neue Investoren anlockten und noch dazu Arbeitsplätze schafften. Und so wurde Leipzig innerhalb kürzester Zeit vom ehemaligen DDR-Städtchen zur Boomtown des Ostens.

Nachdem die Stadt über Jahre Abwanderungswellen erlebt hatte, gilt Leipzig heute als eine der am schnellsten wachsenden Metropolen der Bundesrepublik. Grund dafür sind unter anderem die integrierte Stadtentwicklungsplanung, die bereits seit Mitte der 1990er Jahre in Leipzig angewandt wird, sowie die zukunftsorientierte, soziale Stadterneuerung. Denn eines ist klar; wenn Leipzig auch für kreative Köpfe, junge Familien oder Unternehmer attraktiv sein soll, ist die Schaffung eines attraktiven Stadtbilds, sowie bezahlbaren Wohnraums grundlegend.

Gute Aussichten dank umfangreicher Sanierungspläne

Um den diversen Anforderungen für Wohn- und Geschäftsräume, wie auch industriell genutzten Flächen gerecht zu werden, hat der Stadtrat in Leipzig daher gleich mehrere Entwicklungspläne und -projekte beschlossen. Dazu gehören unter anderem ein Programm zum städtebaulichen Denkmalschutz, die Verbesserung der innerstädtischen Grünflächen, die soziale Stadtteilentwicklung oder die gezielte Wohnraumanpassung. Statt der Zukunft jedoch statisch gegenüberzutreten, werden auch diese Pläne flexibel gehändelt, sodass sich wandelnde Anforderungen und Bedürfnisse zeitnah umgesetzt werden können.

Weiter werden besonders energetische Sanierungsprojekte in Leipzig von der KfW (Programm 432) gefördert. Und auch der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) förderte die Stadterneuerung in Leipzig in den Bereichen Stadtumbau, soziales Leben und Wirtschaft in der Förderperiode von 2000 bis 2006 mit insgesamt 11,23 Millionen Euro. Weitere 19,8 Millionen Euro steuerte zudem die EU-Gemeinschaftsinitiative URBAN II bei, um gerade im Leipziger Westen den Stadtumbau voranzutreiben.

Nicht zuletzt soll die Stadterneuerung in Leipzig und anderen ostdeutschen Städten durch Wohnungsbauförderkredite weiter potenziert werden. Anreize wie zinsgünstige Darlehen für den Erwerb vorhandenen Wohnraums oder die Modernisierung einer bereits bestehenden Eigentumswohnung im Stadtkern sollen dabei vor allen Dingen junge Menschen und Familien zurück in den Osten holen und die Innenstädte schrittweise revitalisieren.

Hier locken niedrige Immobilienpreise

Derweil die Zukunft Leipzigs aufgrund der zahlreichen Projekte und Baumaßnahmen rosig zu sein scheint, locken derzeit vor allen Dingen die vergleichsweise niedrigen Immobilienpreise. Denn diese liegen mit weniger als 3.800 Euro pro Quadratmeter zumindest 2022 deutlich unter den durchschnittlichen Werten im restlichen Bundesgebiet:

30 Quadratmeter
Leipzig: 3.506,06 Euro
Deutschland: 5.243,88 Euro

60 Quadratmeter
Leipzig: 3.381,48 Euro
Deutschland: 4.422,21 Euro

100 Quadratmeter
Leipzig: 4.491,82 Euro
Deutschland: 4.852,44 Euro

So liegt der Kaufpreis für eine 30 m²-Wohnung 2022 bei etwa 3.500 Euro pro Quadratmeter. Und auch eine 60 m²-Wohnung in Leipzig ist mit weniger als 3.400 Euro pro Meter deutlich günstiger als in westdeutschen Städten. Im Vergleich zu den durchschnittlichen Immobilienpreisen in der Schweiz (ca. 8.482,21 € /m² für Wohnungen und 7.526,41 €/m² für Häuser) ist Leipzig somit besonders günstig. Denn laut RealAdvisor

kosten Wohnungen hier rund 8.482,21 € /m². Und auch Häuserpreise liegen mit durchschnittlichen Preisen von 7.526,41 €/m² unverkennbar über den Leipziger Werten. Nichtsdestotrotz finden sich auch in Leipzig exklusive Wohnzentren wie das Zentrum-Nordwest, wo die Quadratmeterpreise bis zu 5.600 Euro erreichen können - ein Wert, der die wachsende Attraktivität der Stadt nur unterstreicht.

Dass die Bemühungen zur Stadterneuerung in Leipzig funktionieren, zeigt ebenfalls die Entwicklung der Immobilienpreise in den letzten Jahren. So haben sich die Kosten pro Quadratmeter für eine 30 m²-Wohnung zwischen 2018 (1.591,60 Euro) und 2022 (3.506,06) beispielsweise mehr als verdoppelt. Die Preise für vergleichbaren Wohnraum in anderen deutschen Städten sind zwischen 2018 (3.052,63 Euro) und 2022 (5.243,88 Euro) hingegen deutlich weniger gestiegen.

Gleiches gilt übrigens auch für die durchschnittlichen Mietpreise (Nettokaltmiete) in Leipzig. Diese liegen mit gerade einmal 9,13 Euro pro Quadratmeter erkennbar unter den deutschen Durchschnittswerten:

30 Quadratmeter
Leipzig: 9,60 Euro
Deutschland: 13,84 Euro

60 Quadratmeter
Leipzig: 8,54 Euro
Deutschland: 9,72 Euro

100 Quadratmeter
Leipzig: 9,55 Euro
Deutschland: 10,81 Euro

Entsprechend zahlen Mieter in Leipzig auch bei größeren Wohnungen rund einen Euro weniger Miete pro Quadratmeter. Besonders deutlich wird das Mietgefälle jedoch bei einer 30 m²-Wohnung. Diese kostet den Mieter in Leipzig im Durchschnitt nur 9,60 Euro pro Quadratmeter, ganze 5,76 Euro weniger als in anderen Städten der Bundesrepublik. Dennoch gilt auch hier, dass die Mietpreise steigen, je näher sich die jeweilige Wohnung am Stadtzentrum befindet.

Fazit

Der Wohnungsmarkt boomt, besonders 2022. Denn die Auswirkungen der Corona-Pandemie, das Arbeiten im Home-Office oder auch der Wunsch nach einem persönlichen Rückzugsort lassen den Ruf nach den eigenen vier Wänden lauter werden. Dennoch muss das Gesamtbild passen, sodass insbesondere aufstrebende Städte wie Leipzig, die mit einem zukunftsorientierten Konzept zur Stadterneuerung und erschwinglichen Immobilienpreisen locken, heute hoch im Kurs stehen.

Empfehlungen
Nach oben