Die Debatte um die sogenannten „Verschenke-Kisten" auf Leipziger Gehwegen spitzt sich zu, wie aktuell auch die LVZ berichtet. Während einige politische Parteien und Behörden eine strikte Verbotslinie mit Bußgeldern fordern, sieht der BUND Leipzig in den Boxen einen wichtigen Ausdruck gelebter Nachhaltigkeit und Stadtteilkultur. Der BUND Leipzig erklärt: Pauschale Verbote greifen zu kurz. Die richtige Antwort auf das Problem der liegengebliebenen Gegenstände ist nicht die Kriminalisierung der Spender, sondern der massive Ausbau legaler, betreuter Anlaufstellen.
Nachnutzung als bedeutender Teil der Kreislaufwirtschaft
„Das Prinzip, funktionstüchtige Gebrauchsgegenstände wie Bücher, Kleidung oder Geschirr direkt auf der Straße weiterzugeben, ist ein lebendiger Teil unserer Leipziger Stadtkultur", erklärt Anika Jahn, Co-Vorsitzende des BUND Leipzig. „Jeder verschenkte Blumentopf oder jeder gerettete Porzellanteller spart Ressourcen und schenkt alten Dingen ein neues Leben. Diese Haltung der Nachnutzung müssen wir fördern, nicht bestrafen."
Der BUND räumt jedoch ein, dass die aktuelle Praxis der unbeaufsichtigten Boxen Probleme birgt. „Wir sehen genau, was die Kritiker bemängeln: Wenn Kisten unter freiem Himmel stehen, werden sie oft vom Wetter zerstört oder liegen wochenlang herum, weil der Inhalt unbenutzbar ist. Dies liegt nicht im Sinne des Umweltschutzes", so der BUND. „Das Problem ist aber nicht die Idee des Tauschens, sondern der Mangel an geeigneten Orten."
Statt auf Verbote und Abschreckung zu setzen, plädiert der BUND für eine pragmatische Lösung: Je mehr legale und betreute Angebote es gibt, desto weniger landet auf der Straße. Der Verband verweist auf ein bewährtes Modell, das bereits funktioniert: Offizielle Tauschschränke, wie die Tauschboxen des BUND. Bereits seit Längerem bietet der BUND Leipzig sichere, wettergeschützte Orte an der Entenbrücke in Schleußig sowie in der Südvorstadt. Hier können Bürgerinnen und Bürger Dinge abgeben und mitnehmen, ohne dass der öffentliche Gehweg blockiert wird.
„Wir fordern die Stadtverwaltung und den Stadtrat auf, diese erfolgreichen Modelle zu kopieren und flächendeckend auszubauen. Außerdem sollen die Hürden, für die Errichtung eines eigenen Tauschschrankes, verringert werden", fordert der BUND. „Anstatt eine Kiste auf dem Gehweg zu verbieten, sollte die Kommune aktiv weitere Standorte für Tauschschränke bereitstellen oder genehmigen. Nur wenn es genug legale Alternativen gibt, werden die spontanen Boxen auf den Gehwegen überflüssig."
