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Anja Seitz und Nora Ueberhorst vom Kollektiv krudebude und Aiko Wulff vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig präsentieren das inter.archv im Alten Rathaus, Foto: SGM
Anja Seitz und Nora Ueberhorst vom Kollektiv krudebude und Aiko Wulff vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig präsentieren das inter.archv im Alten Rathaus, Foto: SGM

Wer schreibt eigentlich Stadtgeschichte? »inter.archiv. Raum für Eure Leipzig-Geschichte«

Stadtgeschichtliches Museum eröffnet neuen Teil der Dauerausstellung

22.04.2026 Stadtinformationen
Stadtgeschichtliches Museum

Wer schreibt eigentlich Stadtgeschichte? Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig eröffnet das »inter.archiv. Raum für Eure Leipzig-Geschichte«. Der neue Raum am Ende der Dauerausstellung im zweiten Obergeschoss des Alten Rathauses lädt Besuchende ein, aus der passiven Rolle der Betrachtenden auszubrechen und die eigenen Perspektiven, Fragen und Geschichten aktiv in das Museum einzubringen. Konzipiert, kuratiert und gestaltet wurde das Projekt vom Leipziger Kollektiv krudebude. Der Eintritt ist kostenfrei, geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

Das »inter.archiv« versteht sich als resonanzstarker Abschluss des Ausstellungsbesuchs. Es bietet Raum, das Gesehene Revue passieren zu lassen und über die Gegenwart und Zukunft Leipzigs nachzudenken. Durch vier interaktive Stationen wird das Museum zu einem dynamischen Archiv der Stimmen aus der Stadtgesellschaft: In der »Kartothek« können Besuchende an einem zentralen Tisch auf Karteikarten Fragen wie »Welches Objekt hat Dich besonders beeindruckt?« oder »In welcher Zeit in Leipzigs Geschichte würdest Du gern reisen?« beantworten. Die Karten werden in eine Plexiglas-Wand einsortiert – es entsteht ein wachsendes Mosaik aus Gedanken und Anregungen. Das interaktive Wandtelefon »Leipzig Calling« greift die Frage nach der Identität der Stadt auf. Hier nehmen Gäste ihren persönlichen »Leipzig-Moment« auf oder lauschen den Erzählungen anderer.

Die Station »Ansichtssache« nutzt Magnetfiguren, um Meinungen zu gesellschaftlichen Utopien und Alltagsfragen sichtbar zu machen. Die Themen der Wand sind wandelbar und reagieren auf aktuelle Debatten. Die hängende Installation »Reflexionsfelder« der Künstlerin Julia Benz aus dichroitischem Acrylglas bricht das Licht in wechselnde Farbspektren. Die Arbeit symbolisiert das Kernanliegen des Raums: Stadtgeschichte ist kein abgeschlossenes Ganzes, sondern entsteht erst im Zusammenspiel vieler, sich stetig verändernder Blickwinkel.

„Das inter.archiv soll Freude machen! Wir wünschen uns, dass es die Besuchenden einlädt, sich aktiv an der Geschichtsschreibung zu beteiligen. Wir freuen uns auf vielfältige Perspektiven auf die Ausstellung und die Stadt.“ so das Kollektiv krudebude.

Mit dem »inter.archiv« setzt das Leipziger Kurator*innenkollektiv krudebude die erfolgreiche Kooperation mit dem Stadtgeschichtlichen Museum fort, die bereits mit der Intervention »Fehlt hier nicht was?!«, 2023 bis 2025, ebenfalls in der Dauerausstellung des Alten Rathauses, begann. Charakteristisch für ihre Arbeit ist der Fokus auf Teilhabe und die ästhetische Aufbereitung persönlicher Geschichten. Das Kollektiv (gegr. 2013) steht für das Aufbrechen grauer Räume und das Schaffen neuer Orte der Begegnung. Nach langjähriger Arbeit in einem freien Kulturraum in Leipzig-Schönefeld wirkt das Kollektiv seit 2023 verstärkt im öffentlichen Raum und in Institutionen.

Für das Stadtgeschichtliche Museum ist das Angebot ein weiterer Schritt zur partizipativen Erweiterung der Dauerausstellung. Das Museum setzt sich für das Vermitteln vielfältiger Perspektiven und Lebensrealitäten im Museum ein – Es ist nahbarer Ort der Begegnung für möglichst alle Menschen, ein Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

„Gerade in konfliktgeladenen Zeiten ist es umso wichtiger, zum Zusammenhalt beizutragen und möglichst vielen in unserer Region lebenden Menschen ein Angebot zur Identifikation und Mitgestaltung zu unterbreiten. Die Geschichte einer Stadt wird nur dann relevant bleiben, wenn wir sie gemeinsam schreiben und daraus Impulse und Ermutigungen für die Gestaltung der Gegenwart und Zukunft beziehen“, ergänzt das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig.

Das inter.archiv ist Teil der Dauerausstellung im zweiten Obergeschoss des Alten Rathauses und während der Öffnungszeiten des Museums Dienstag bis Sonntag jeweils 10 bis 18 Uhr zugänglich. Der Eintritt ist kostenfrei.



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