Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig konnte seine Autografensammlung um einen imposanten Zuwachs bereichern! Acht Briefe von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) sowie ein Brief seiner Frau Cécile Mendelssohn Bartholdy (1817-1853) wurden für die städtische Sammlung erworben. Zudem ergänzt ein Brief von Richard Wagners Schwester Rosalie Wagner (1803-1837) die Sammlung des Museums.
„Wir freuen uns sehr, dass diese besonderen Stücke nun dauerhaft bei uns bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Briefe verbinden historischen Wert mit persönlicher Geschichte und ergänzen unseren Bestand perfekt.“ so Kerstin Sieblist, Kuratorin für Musik- und Theatergeschichte am Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig
Die Mendelssohn-Briefe aus den Jahren 1835 bis 1847 stammen aus Mendelssohns Zeit als Gewandhauskapellmeister. Sie richten sich an verschiedene Empfänger aus dem beruflichen Umfeld, wie die Verleger Friedrich Kistner und Heinrich Brockhaus. Aber auch überregionale Kontakte, wie der Bankier Ignatz Seydlitz oder der in London ansässige Musikverleger C.R. Wessel, gehören zu den Adressaten. Die Briefe beleuchten Mendelssohns Tätigkeit als Gewandhauskapellmeister ebenso wie sein Schaffen als Komponist. So lehnt er beispielsweise in einem im November 1843 geschriebenen Brief an den österreichischen Dramatiker Otto Prechtler dessen Dramenvorschläge als Libretti für eine mögliche Opernvertonung ab – Mendelssohn hatte hohe Ansprüche an einen Opernstoff, denen niemand gerecht werden konnte. Die deutliche und dennoch liebenswürdige Absage an Prechtler ist ein schönes Beispiel für Mendelssohns respektvolle Korrespondenz.
Ein weiteres Highlight ist ein Brief an Hermann Härtel (aus dem Hause Breitkopf & Härtel) vom 1. September 1835. An diesem Tag hatte Mendelssohn sein Amt als Gewandhauskapellmeister angetreten und bereits die erste „Conferenz“ mit der Gewandhauskonzertdirektion hinter sich. Dort war das Programm für das zweite Abonnementkonzert festgelegt worden, und der Chefdirigent bat den Musikverleger Härtel um das rasche Zusenden der Partituren: „wo möglich im Lauf des morgenden Tages.“ Cécile Mendelssohn schrieb ihren Brief vom 22. Oktober 1847 im Auftrag ihres erkrankten und „ans Bett gefesselten“ Mannes an den Bonner Verlag N. Simrock. Darin bedankt sie sich für die zugesandten Partituren des Oratoriums „Elias“. Keine zwei Wochen später starb Mendelssohn mit nur 38 Jahren.
Der Ankauf konnte nur dank der Unterstützung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, des Museumsfördervereins Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V. sowie des Verkäufers, einem Freund des Museums, der die Briefe weit unter ihrem Marktwert angeboten hat, finanziert werden. Der Erwerb ergänzt den bedeutenden Mendelssohn-Bestand des Stadtgeschichtlichen Museums, der mit Autografen, Notendrucken, Bildern und Büchern über 3.000 Objekte umfasst.
Darüber hinaus hat das Museum einen Brief von Richard Wagners Lieblingsschwester Rosalie Wagner (1803-1837) an Theodor Apel vom März 1835 erworben. Darin bittet sie den Jugendfreund des Komponisten inständig, kurzfristig zur Aufführung von Wagners Oper „Das Liebesverbot“ nach Magdeburg zu fahren. Die Einnahmen sollten Wagner zugutekommen. Dass Apel der Bitte nachkam, ist unwahrscheinlich, schließlich dauerte die Fahrt mit der Kutsche damals ein bis zwei Tage. Die Aufführung wurde übrigens wegen mangelnden Interesses und aufgrund einer Prügelei unter den Schauspielern abgesagt.
