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Stadtgeschichtliches Museum Leipzig: Ausstellungsimpression „Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann“, Foto: Markus Scholz
Stadtgeschichtliches Museum Leipzig: Ausstellungsimpression „Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann“, Foto: Markus Scholz

Sonderausstellung »Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann« im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig eröffnet

Eine Jahrhundertgeschichte in Bildern für heute erzählt

02.06.2026 Veranstaltungen
Stadtgeschichtliches Museum

Ein deutschlandweit einzigartiger Schatz der Fotogeschichte: das Fotoarchiv Mittelmann. Vom 3. Juni 2026 bis 4. April 2027 präsentiert das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig im Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026 TACHELES die Sonderausstellung »»Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann« im Haus Böttchergäßchen in Leipzig.

Mehr als 2.000 Glasnegative des jüdischen Fotografen Abram Mittelmann wurden 1988 auf dem Dachboden eines Wohnhauses am Peterssteinweg 15 in der Leipziger Südvorstadt entdeckt — jahrzehntelang vergessen und teils zerstört. Die meisten Aufnahmen entstanden um 1930 und zeigen Gesichter von Frauen, Männern und Kindern, viele von ihnen jüdisch. Abram Mittelmann lebte und arbeitete von 1909 bis 1938 in dem Haus. Von vielen der Porträtierten sind Herkunft, Lebensweg und Schicksal bis heute unbekannt. Eugen Mittelmann spezialisierte sich ab 1925 auf Porträts von Schauspielerinnen und Sängern an Leipziger Bühnen und schrieb Fachtexte. Inspiriert von der Foto-Moderne, Bauhaus und Werkbund, schuf er Foto-Experimente, Collagen und Werbung. Seine Fotokunst steht neben Alltagsbildern von Großstadt-Menschen als Zeugnis der Zeit um 1930.

2022 wurden die Glasplatten-Negative an Nadia Vergne, Enkelin Abram Mittelmanns, aus Privatbesitz zurückgegeben. Seitdem arbeitet eine Initiative aus Nadia Vergne, dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, dem Ariowitsch-Haus stellvertretend für die Israelitische Religionsgemeinde sowie dem Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. an der Aufarbeitung des Bestands.

Seitdem konnten in dem umfänglichen Recherche- und Forschungsprojekt von den 1.800 Bildern 862 zugeordnet werden, Vornamen und weitere Lebensdaten zu konkreten Personen ermittelt oder eine Eingrenzung auf wenige in Frage kommende Personen vorgenommen werden. Mehr als 730 Personen und Gruppen wurden als jüdisch erkannt, darunter mindestens 168 Fotos der Familie Mittelmann.

Die Ausstellung und digitale Formate zeigen eine typische jüdische Familie in Deutschland. Etwa 100 Porträts und Gruppenbilder zeigen bisher unbekannte Einblicke in das jüdische Leben der Großstadt Leipzig – sowohl die Normalität vor 1933 wie seine Zerstörung. Wie viele aus ihrer jüdischen Kundschaft, bauten sich die aus dem russischen Zarenreich emigrierten Mittelmanns in Leipzig ein neues Leben auf. Sie wurden im Nationalsozialismus entrechtet, verfolgt und ermordet oder konnten überleben. Die Geschichte von Abram und Rejsa Mittelmann und ihren in Leipzig geborenen Kindern steht exemplarisch für eine ganze Generation. Namen und Leben der Familie sowie der Menschen, die sich im Atelier porträtieren ließen, werden jetzt erstmals umfangreich sichtbar gemacht.

Die Ausstellung wird dank weiterer Forschungsergebnisse noch um künstlerische Perspektiven um 1930 wachsen, außerdem wird sie durch ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm ergänzt.

Weitere Informationen:
www.fotoarchiv-mittelmann.de



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