Was haben ein Bombenangriff auf Leipzig, ein ausgebranntes Museum und ein merowingisches Kriegergrab miteinander zu tun? Die neue Wechselausstellung Brandspuren: Ein archäologischer Krimi in der Ausstellungsreihe „Das Haus mit der Spinne“ erzählt die Geschichte eines außergewöhnlichen Forschungsprojektes, bei dem Fundstücke nach mehr als 80 Jahren wiederentdeckt und ihre Identität zurückerhielten.
Die Ausstellung nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf diese Spurensuche. Sie zeigt, welche Hinweise zur Identifizierung der Objekte führten und macht zugleich deutlich, wie eng Sammlungsgeschichte, Zeitgeschichte und Stadtgeschichte miteinander verbunden sind.
Im Mittelpunkt steht das merowingische Kriegergrab von Weihmörting (Landkreis Passau, Bayern). Die Überreste des Grabes werden heute in Leipzig und Berlin aufbewahrt. Erstmals seit ihrer kriegsbedingten Trennung wird der Fundkomplex nun wieder gemeinsam der Öffentlichkeit präsentiert.
Ein Grabfund mit Leipziger Geschichte
Anfang Dezember 1943 wurde Leipzig bei einem Bombenangriff schwer getroffen. Während das Naturkundemuseum den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet überstand, brannte das Völkerkundemuseum fast vollständig aus. Mit dem Gebäude wurde auch die bedeutende archäologische Sammlung schwer beschädigt.
Die geretteten archäologischen Objekte wurden nach dem Krieg zwischen Leipzig (Naturkundemuseum) und Berlin (Museum für deutsche Geschichte, heute Stiftung Preußischer Kulturbesitz) aufgeteilt. Dabei gingen auch zusammengehörige Fundkomplexe auseinander. Neben vielen unbeschädigten Artefakten verblieben zahlreiche Kisten mit dem sogenanntem Brandschutt in Leipzig. Viele der darin enthaltenen Objekte waren durch die starke Hitzeeinwirkung beschädigt und hatten ihre Inventarnummer verloren. Damit war auch ihre Zuordnung zu Fundort, Fundumständen und anderen Objekten des jeweiligen Fundkomplexes nicht mehr eindeutig möglich.
Spurensuche im Brandschutt
Ein erst kürzlich abgeschlossenes Forschungsprojekt widmete sich der Frage, wie einzelnen Fundstücken ihre verlorene Identität zurückgegeben werden kann. Am Beispiel des Weihmörtinger Grabes wurde dabei mit einer Art kriminalistischer Spurensuche gearbeitet: Objekte, historische Dokumente, Inventare und weitere Quellen wurden zusammengetragen, miteinander abgeglichen und verknüpft.
So konnte der Zusammenhang der Fundstücke rekonstruiert und das Kriegergrab von Weihmörting wieder als zusammengehöriger Fundkomplex erkannt werden.
Mit „Das Haus mit der Spinne – Archäologie“ setzt das Naturkundemuseum Leipzig seine Abschiedsreihe vom langjährigen Standort in der Lortzingstraße fort. Die Reihe stellt in mehreren Teilen die unterschiedlichen Sammlungs- und Arbeitsbereiche des Museums vor und begleitet den Übergang zum zukünftigen Standort am Wilhelm-Leuschner-Platz.
Ausstellungsdetails
Das Haus mit der Spinne
Teil 4: Archäologie
„Brandspuren: Ein archäologischer Krimi“
Zeitraum: 6. November 2026 – 4. April 2027
Ort: Naturkundemuseum Leipzig, Lortzingstraße 3
Weitere Themen in den kommenden Jahren: Museumspädagogik, Digitalisierung, Wirbellose, Museumsdirektion.
Ausstellungseröffnung
Datum: Freitag, 6. November 2026 / 17:00 – 19:00 Uhr
Ort: Naturkundemuseum Leipzig, Lortzingstraße 3
Begrüßungsworte: Prof. Dr. Ronny Maik Leder (Museumsdirektor)
Vortrag: Dr. Jörg Frase (Kurator)
Der Eintritt ins Naturkundemuseum Leipzig ist frei.
