Am 8. April 2026 beteiligt sich Leipzig mit mehreren öffentlichen Veranstaltungen am 8. Internationalen Tag der Provenienzforschung. Ziel ist es, die Forschung zur Herkunft von Kunst- und Kulturgütern zu fördern und der Öffentlichkeit näher zu bringen. Die städtischen Kultureinrichtungen wie die Leipziger Städtischen Bibliotheken, das Museum der bildenden Künste und das Grassi-Museum für Angewandte Kunst Leipzig bringen sich in das Programm gemeinsam mit der Deutschen Nationalbibliothek und Universitätsbibliothek Leipzig ein.
Der vom Arbeitskreis Provenienzforschung e.V. initiierte Aktionstag bringt weltweit über 100 Institutionen zusammen. Auch in Leipzig tauschen sich Museen, Bibliotheken und Universität regelmäßig aus und arbeiten in Projekten zusammen. Gemeinsam ist so das Programm für den 8. April entstanden. Ob klassische Führungen, anregende Diskussionen oder spannende Vorträge – der Tag der Provenienzforschung lädt dazu ein, Geschichten hinter den Objekten aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken.
Provenienzforschung in Leipzig
Wurde das geraubt? Diese Frage stellt sich in fast allen Leipziger Sammlungen – und die Antwort darauf ist oft alles andere als einfach. Kunst- und Kulturgüter wurden in verschiedenen historischen Kontexten entzogen: in der Kolonialzeit, während des Nationalsozialismus oder auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Die Provenienzforschung, also die Untersuchung der Herkunft und Besitzgeschichte von Objekten und menschlichen Gebeinen, ist daher fester Bestandteil der Arbeit in Museen, Bibliotheken und Archiven. Sie schafft Transparenz über den rechtmäßigen Besitz und bildet die Grundlage für mögliche Restitutionen.
Veranstaltungen in Leipzig am 8. April
Leipziger Städtische Bibliotheken
16:30 Uhr: „Geraubt, gestiftet, zurückgekauft. Musikbibliothek Peters und die Hinrichsen-Stiftung“
Die Leipziger Verlegerfamilie Hinrichsen ist Opfer nationalsozialistischer Verfolgung gewesen. Die LSB gehen ihren Spuren in ihren Beständen nach.
Museum der bildenden Künste
18:30 Uhr: „Spuren jüdischen Engagements für das MdbK“
Im Rahmen des Rundgangs zeigt das Museum anhand verschiedener Gemälde und Skulpturen in der Dauerausstellung inwiefern die jüdischen Sammlerinnen und Sammler durch ihr Engagement die Sammlung des Museums bereicherten.
Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig
18 Uhr: „Woher stammen die Objekte? Ausgewählte Beispiele zur Provenienzforschung im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig“
Die Provenienzen einzelner Exponate in der Dauerausstellung „Antike bis Historismus“, die aus den unterschiedlichsten Kontexten stammen, werden durch den Kurator Dr. Thomas Rudi vorgestellt.
Deutsche Nationalbibliothek
16:30 Uhr: „Hidden Places. Führung anlässlich des Tags der Provenienzforschung“
Anlässlich des Tags der Provenienzforschung erhalten Sie bei dieser Führung einen Blick hinter die Kulissen der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.
18 Uhr: „Vergessene Namen. Ein Blick auf die Stiftertafeln der Deutschen Bücherei“
Vor hundert Jahren sollten Stiftertafeln an die Förderer der Deutschen Bücherei erinnern; heute sind sie vergessen. Anlässlich des Tags der Provenienzforschung entdecken wir die Geschichte der Stiftertafeln und die Biografien einiger Stifter wieder.
Universitätsbibliothek Leipzig Bibliotheca Albertina
18 Uhr (Foyer): „Bestands- und Objektgeschichten erzählen, Unrechtskontexte aufarbeiten #3“
In der dritten Ausgabe dieses speziell für den Tag der Provenienzforschung entwickelten Formats richtet die UB Leipzig den Fokus auf Objekte und Bestände, die mit jüdischer Geschichte und Kultur in Verbindung stehen.
Institut für Anatomie der Universtität Leipzig
11 Uhr (Studienzentrum, Liebigstraße 27c, Seminarraum C105): „Entangled Histories: A Conversation on Ancestral Remains from today’s South Africa at Leipzig University“
Gesprächsrunde mit Provenienzforschern des Instituts für Anatomie und Studierenden des Historischen Seminars der University oft he Western Cape (Südafrika)
