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Auf dem Podium beim Neujahrsempfang 2026 wurde aus Sicht der Universitätsmedizin die Frage diskutiert, wie die Fachkräfte der Zukunft zu gewinnen seien. Foto: UKL / Hüller
Auf dem Podium beim Neujahrsempfang 2026 wurde aus Sicht der Universitätsmedizin die Frage diskutiert, wie die Fachkräfte der Zukunft zu gewinnen seien. Foto: UKL / Hüller

Neujahrsempfang der Universitätsmedizin Leipzig widmete sich der Berufswelt der Zukunft im Gesundheitswesen

Podiumsgäste diskutierten gemeinsam mit den 350 Besuchern am 23. Februar 2026 im FELIX Leipzig

24.02.2026 Veranstaltungen
Universitätsklinikum Leipzig

Mit einem Blick in die Zukunft der Berufswelt Medizin startete die Universitätsmedizin Leipzig das Jahr 2026. Wie wird die Arbeit im Gesundheitswesen künftig aussehen, und was brauchen und wollen Young Professionals, um in dieser Branche tätig zu werden – diese Fragen diskutierten am 23. Februar die Podiumsgäste gemeinsam mit den 350 Besuchern des traditionellen Neujahrsempfangs im FELIX Leipzig. Die Antwort: Ein Zusammenspiel aus Sinn, Innovation und Flexibilität – beste Aussichten also für Universitätsklinika wie das UKL?

Dass deren Verantwortung dabei, in Zusammenarbeit mit den Medizinischen Fakultäten, mehr umfasst als nur die Absicherung der eigenen Nachwuchsgewinnung, war ein zentrales Thema des Abends. „Als Orte der Aus-, Fort- und Weiterbildung für verschiedene Gesundheitsberufe sehen wir uns in der Pflicht, die Sicherung des Nachwuchses auch außerhalb der Ballungszentren und Uniklinika zu gewährleisten“, sagte dazu Prof. Christoph Josten, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig (UKL). Dafür müssten viele Aspekte in den Blick genommen werden – von der Digitalisierung über die Akademisierungsbestrebungen zum Beispiel der Pflege oder Physiotherapie bis hin zur Flexibilisierung von Lebens-Arbeitszeitmodellen. Erst letztes Jahr konnten am UKL erneut über 200 Vollzeit-Stellen neu geschaffen und besetzt werden, mehrheitlich in der Pflege. Der viel zitierte Fachkräftemangel zeigt sich hier eher als ein Problem einzelner hochspezialisierter Bereiche. „Als großes modernes Klinikum der Maximalversorgung, das regelmäßig in nationalen Rankings unter den Top 10, auch als Arbeitgeber, rangiert, gelegen in einer attraktiven Großstadt, genießen wir hier sicherlich einen Bonus“, so Josten weiter.

Spannungsfelder Arbeitswelt und Demografie

Diese Entwicklung bestätigte auch Dr. Francesco De Meo, bis 2023 langjähriger Vorstand der HELIOS-Kliniken und Gast auf dem Podium des Neujahrsempfangs. Dennoch sei dies kein Grund, sich als Uniklinikum entspannt zurückzulehnen – denn die Talente von morgen haben die Wahl und suchen nach Arbeitsorten, die wirklich mit der Zeit gehen: Mit vielfältigen Arbeitszeitmodellen, individuellen Karrierewegen, einer digital optimierten Arbeitsumgebung und einer Führungskultur auf Augenhöhe.

„Wir stellen uns mit viel Einsatz seit Jahren diesen durchaus herausfordernden Aufgaben“, beschreibt es Dr. Robert Jacob, Kaufmännischer Vorstand des UKL. Als Ergebnis wurden ab diesem Jahr eine 38,5-Stunden-Woche im nicht-ärztlichen Bereich und eine 40-Stunden-Woche für die Mediziner etabliert, ebenso wie ein Zeitwertkonto für eine flexiblere Gestaltung der Lebensarbeitszeit. „Parallel versuchen wir, wie alle anderen auch, im Eiltempo die deutschlandweiten Versäumnisse in der Digitalisierung der Kliniken und des Gesundheitswesens aufzuholen, was allen Akteuren viel abverlangt“, so Jacob weiter.
All das geschieht zudem vor dem Hintergrund einer demografischen Entwicklung, die zu steigenden Zahlen älterer Menschen und damit mehr Patient:innen führt. Auch am UKL wuchs 2025 erneut die Zahl der behandelten stationären Fälle um 3,7 Prozent auf 62.900, die der ambulanten Fälle um 3,4 Prozent auf 360.800.

Baulicher und organisatorischer Entwicklungsschub

Einen weiteren Entwicklungsschub werden anstehende Neubauvorhaben bringen: 2026 starten am UKL die Erweiterung des Hauses 7 um den zweiten Bauteil, der insbesondere der Strahlentherapie ein neues Zuhause geben wird, sowie die Zentralisierung der Nuklearmedizin. Beide Großvorhaben mit einem Investitionsvolumen von zusammen 178 Millionen Euro sollen bis 2029 abgeschlossen sein. Derzeit haben die Baufeldfreimachungen, einhergehend mit einer Sperrung des hinteren Teils des Liebigstraße, begonnen. In den kommenden Monaten werden Baubeginn und Grundsteinlegung folgen.

„Solche Vorhaben, ebenso wie der Umbau der zentralen Notaufnahme, den wir in diesem Jahr abschließen werden, sind wichtige Elemente der Attraktivität des Arbeitsplatzes Klinikum und damit in jeder Hinsicht Investitionen in die Zukunft“, sagt dazu Prof. Josten. „Gleiches gilt für die Umsetzung unserer Digitalisierungsstrategie einschließlich des aktuell geplanten Komplettwechsels unseres Klinischen Arbeitsplatzsystems (KAS) und der Integration der Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz“, ergänzt Dr. Jacob.

Aber auch die Integration der Pflegewissenschaften in den Klinikalltag, die Schaffung neuer Strukturen in der Pflege und die Akademisierung von Gesundheitsberufen gehören dazu, wenn es um die Medizin der Zukunft geht – das machen Tancred Lasch und Prof. Henrike Todorow als Vertreter der Pflege und der neuen universitären Hebammenwissenschaften auf dem Podium deutlich.

Nachwuchsgewinnung für den ländlichen Raum

Das alles wirkt zusammen mit der medizinischen Lehre und den Aufgaben der Fakultät, die sich ihrerseits stark für die Sicherung der medizinischen Versorgung auch im ländlichen sächsischen Raum einsetzt.

„Hier ist es unsere Aufgabe, junge Menschen auch für die Medizin jenseits der Universitäten zu begeistern und so im Schulterschluss mit der Regierung des Freistaats Sachsen dafür zu sorgen, dass die Regionen jenseits von Leipzig und Dresden auch dank einer umfassenden medizinischen Versorgung lebenswert bleiben“, betont Prof. Ingo Bechmann, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Zusammen mit Prof. Heike Graßmann, der Staatssekretärin im Sächsischen Ministerium für Wissenschaft, Tourismus und Kunst diskutierte er die Frage, ob die sächsischen Medizinischen Fakultäten mit den speziellen Landarzt- und dem neu gestarteten Landzahnarztprogramm bereits genug beitragen und was noch getan werden kann, um den Nachwuchs in den Gesundheitsberufen auch für die Fläche abzusichern.

Start des Exzellenzclusters LeiCeM

„Wir wissen, dass die Studierenden aus allen Bundesländern nach Leipzig kommen, um sich bei uns ausbilden zu lassen. Das liegt an der lebenswerten Stadt und auch an unseren guten Lehr- und Forschungsangeboten. Die Befragung unserer Absolvent:innen aus der Humanmedizin ergab, dass die Hälfte des Jahrgangs nach ihrem Studium in Sachsen bleiben will“, hebt Dekan Bechmann hervor und ergänzt: „Die Attraktivität unseres Ausbildungsortes wird in diesem Jahr zusätzlich gestärkt durch das neue Exzellenzcluster: Mit dem Leipzig Center of Metabolism wird an der Universität Leipzig ein klinisches Forschungszentrum entstehen, welches sich dem Verständnis und der Verbesserung der Krankheitslast durch Stoffwechselstörungen widmen wird. Wir setzen damit ein starkes Zeichen für die medizinische Forschung der Zukunft.“ Die ersten Berufungsverfahren zur Gewinnung weiterer Expert:innen sind auf den Weg gebracht.



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