Monumentale Raketen ragen auf einer der mehr als 16 Meter hohen Terrassen des MdbK in die Höhe. Sie schillern in Pink, in eisigem Blau oder sind von weißem Fell weich ummantelt. First Spaceship on Venus ist der Titel einer Werkserie der Schweizer Objekt- und Installationskünstlerin Sylvie Fleury (*1961), die sie seit den 1990er-Jahren erschafft. Eine Auswahl ihrer Raketen präsentiert das MdbK im 2. Obergeschoss (03.09.2026–05.09.2027). Die Eröffnung der Installation findet am Mittwoch, den 2. September 2026 um 18 Uhr statt.
Sylvie Fleurys Auseinandersetzung mit der Raumfahrt geht auf die Zeit des Kalten Krieges zurück, als die West- und Ostblockmächte auch im All miteinander konkurrierten. Der Film „Der schweigende Stern“ (1960, DEFA) thematisiert diese konfrontativen Kräfte. Fleury hat sich den Titel der amerikanischen Filmversion zu eigen gemacht.
Gemeinsam von der DDR und Polen produziert, handelt der Film von der Bedrohung der Erdbewohner durch eine scheinbar vom Planeten Venus ausgehende, nukleare Katastrophe. Um die Erde zu retten, reist eine internationale Delegation von Astronauten mit einem Raumschiff zur Venus, dem Planeten der Liebe. Vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund der in den 1950er-Jahren erfolgten Atombombentests in den USA und der Sowjetunion entstanden, spiegelt der Film das atomare Wettrüsten während des Kalten Krieges wider. Ein Thema, das heute angesichts neuer politischer Frontenbildungen und Aufrüstungen eine brisante Aktualität erfährt – doch erinnert Fleury mit ihren Raumschiffen an die Kraft der Liebe in aggressiven Zeiten.
Die Künstlerin begegnet dem Schrecken mit Humor und Glamour. Die Materialien ihrer Raketen orientieren sich an einer poppigen Ästhetik, die Farben erinnern an Lippenstifte oder Nagellack. Mit den weichen und glitzernden Oberflächen verlieren sie ihre aggressive Wirkung, das weiße Fell nimmt ihnen die Härte. Für die spezifische Architektur des MdbK sind Fleurys Raketen wie geschaffen. In der Fantasie könnten sie tatsächlich jederzeit aufsteigen und die Decke des Museums durchstoßen.
