Wie Kinder Sprache entdecken, eigene Gedanken ausdrücken, Fragen stellen und Zusammenhänge begreifen, entscheidet sich zu einem erheblichen Teil in den ersten Lebensjahren. Frühkindliche Bildung ist deshalb weit mehr als die Vorbereitung auf die Schule: Sie legt Grundlagen für den späteren Bildungs- und Lebensweg. Mit seinem zweiten BuchKinderGarten am Leuchte-Turm im Stadtteil Lindenau schafft der Buchkinder Leipzig e. V. einen neuen Ort, an dem Kinder ihre Welt mit Sprache, Bildern und eigenen Geschichten entdecken und gestalten können. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der jüngsten PISA-Studien sei es wichtig, die Grundlagen sprachlicher und kreativer Entwicklung bereits in den ersten Lebensjahren zu stärken, so der konzeptionelle Ansatz des Vereins. Nach rund zehn Jahren Vorbereitung soll die integrative Kindertageseinrichtung im Januar 2027 in der ehemaligen Gustav-Leuchte-Fabrik in der Demmeringstraße 61 eröffnen. Insgesamt 140 Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren werden hier einen Platz finden.
Am Samstag, dem 14. November 2026, laden die Buchkinder alle interessierten Eltern, Familien und pädagogischen Fachkräfte von 9 bis 14 Uhr zu einer Informationsveranstaltung und einem Tag der offenen Tür ein. Das pädagogische Konzept wird jeweils gegen 10 und 12 Uhr vorgestellt. Für die kleinen Besucherinnen und Besucher gibt es eine mobile Schreib- und Druckwerkstatt, in der sie selbst kreativ werden können.
25 Jahre Buchkinder: Kinder haben etwas mitzuteilen
„Jedes Kind trägt einen einmaligen Blick auf die Welt in sich. Dieser soll bei uns Raum bekommen und Gestalt annehmen.“ - Dieser Gedanke prägt die Arbeit des Buchkinder Leipzig e. V. seit seiner Gründung. Seit 2001 begleitet der Verein Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zum persönlichen Ausdruck durch Text und Bild. Die Buchkinder-Methode beginnt bei einer einfachen Beobachtung: Kinder haben etwas mitzuteilen. Sie erfinden Geschichten, entwickeln Figuren, zeichnen Bilder und diskutieren ihre Ideen. Die Buchkinder geben ihnen die Möglichkeit, aus diesen Gedanken Schritt für Schritt eigene Bücher entstehen zu lassen. In den vergangenen 25 Jahren sind so rund 1.000 verschiedene Buchtitel und knapp 16.000 handgebundene Bücher entstanden. Für seine Arbeit wurde der Verein mehrfach ausgezeichnet, zuletzt unter anderem mit dem Deutschen Verlagspreis 2026.
2013 übertrug der Verein seine Erfahrungen erstmals auf die frühkindliche Bildung und eröffnete in der Leipziger Josphstraße den ersten BuchKinderGarten Deutschlands. Dort entwickelte er ein eigenständiges pädagogisches Konzept, das ästhetische Bildung, sprachliche Entwicklung und soziales Lernen miteinander verbindet. Die Erfahrungen aus mittlerweile 13 Jahren bilden die Grundlage für den neuen Standort am Leuchte-Turm.
Ein Kindergarten, in dem Kinder ihre Welt gestalten
Im Mittelpunkt des BuchKinderGartens stehen die Interessen, Fragen und Ideen der Kinder. Die pädagogischen Fachkräfte greifen diese auf und begleiten ihre Entwicklung. Aus einer Beobachtung kann eine Geschichte entstehen, aus einem Gespräch ein Theaterstück, aus Zeichnungen und eigenen Worten schließlich ein Buch. Die Kinder erleben dabei den gesamten Entstehungsprozess – vom ersten Gedanken bis zum gedruckten und gebundenen Ergebnis.
Wer selbst Geschichten erfindet, beschäftigt sich mit Worten, Bedeutungen und Erzählweisen. Wer seine Ideen anderen vorstellt, übt, Gedanken verständlich auszudrücken und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. Lesen, Schreiben und künstlerisches Gestalten werden so von Anfang an miteinander verbunden. Sprachliche Kompetenzen entwickeln sich nicht durch vorgezogene schulische Lernprogramme, sondern aus dem eigenen Bedürfnis heraus, sich mitzuteilen und verstanden zu werden.
Das pädagogische Konzept basiert auf einer teiloffenen Struktur, die familiäre Geborgenheit mit individuellen Freiräumen verbindet. Kinder können ihre Umgebung und ihre Interessen selbstständig erkunden und zugleich erleben, was es bedeutet, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Soziale Fähigkeiten und die Entwicklung der eigenen Ausdruckskraft haben dabei den gleichen Stellenwert. Ein wichtiger Bestandteil ist die Erziehungspartnerschaft mit den Sorgeberechtigten. Eltern und andere Bezugspersonen sind selbstverständlicher Teil des Miteinanders. Denn auch sie sollen sich im BuchKinderGarten willkommen und wohlfühlen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Familien und pädagogischen Fachkräften bildet die Grundlage dafür, Kinder in ihrer individuellen Entwicklung gut begleiten zu können. Das Konzept ist integrativ angelegt und berücksichtigt unterschiedliche Entwicklungswege, familiäre Hintergründe und individuelle Voraussetzungen. Auch Kinder, die sich sprachlich noch nicht sicher ausdrücken können, finden über Bilder, Bewegung, Materialien und gemeinsames Gestalten eigene Ausdrucksmöglichkeiten.
140 Kinder, eine historische Fabrik und ein außergewöhnlicher Lernort
Im Januar 2027 soll der zweite BuchKinderGarten in der ehemaligen Gustav-Leuchte-Fabrik am Leuchte-Turm eröffnen. Geplant sind 30 Krippenplätze und 110 Kindergartenplätze für insgesamt 140 Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren. Die Ursprünge des historischen Industriegebäudes reichen bis in die Jahre 1913 bis 1917 zurück. Für seine neue Nutzung wird es umfassend umgebaut. Dabei bleibt die denkmalgeschützte Industriearchitektur weitgehend sichtbar und wird mit einer zeitgemäßen, energetisch durchdachten Bauweise verbunden. Ein besonderes architektonisches Merkmal ist das sogenannte Haus-im-Haus-Konzept: Die historische Fassade bleibt ungedämmt erhalten, während die eigentliche wärmedämmende Gebäudehülle etwa 1,5 Meter nach innen versetzt wird. So entstehen großzügige Zwischenräume und Loggien, über die die Gruppenräume miteinander verbunden werden. Für ein denkmalgeschütztes Bestandsgebäude ermöglicht diese Lösung eine hohe Energieeffizienz. Ein Atrium sorgt durch mehrere Geschosse hindurch für Tageslicht in den hinteren Gebäudebereichen. Im Dachgeschoss entsteht eine Terrasse, die auch den Kindern der oberen Etage einen direkten Zugang ins Freie ermöglicht. Besonders eindrucksvoll wird der Eingangsbereich: Durch den Rückbau von Zwischendecken öffnet sich ein rund acht Meter hoher Raum, der schon beim Betreten des Hauses ein Gefühl von Weite vermittelt. Auch im Inneren bleibt die Geschichte des Gebäudes sichtbar. Tragende Deckenelemente, Teile der Fassade und zahlreiche Mauern werden bewusst unverputzt erhalten. Die Kinder können so unmittelbar erleben, dass sie sich in einem historischen Gebäude befinden, das eine eigene Geschichte erzählt und zugleich Raum für neue Geschichten bietet. Das Farbkonzept der Innenräume ist bewusst zurückhaltend gestaltet. Die Überzeugung dahinter: Kinder und ihre Werke sollen selbst zur Geltung kommen. Die Bilder, Bücher und kreativen Arbeiten der Kinder werden die eigentliche Farbigkeit des Hauses einbringen. Zum pädagogischen Alltag gehören neben den Gruppen- und Gemeinschaftsräumen auch eine eigene Buchdruckwerkstatt und vielfältige Möglichkeiten für Bewegung, Rückzug und gemeinsames Arbeiten.
Der Leuchte-Turm soll wieder leuchten
Auch der Name des neuen BuchKinderGartens verbindet Vergangenheit und Zukunft. Der „Leuchte-Turm“ erinnert an die ehemalige Gustav-Leuchte-Fabrik und steht zugleich sinnbildlich für einen Ort, an dem Ideen entstehen und Kinder ihre eigenen Fähigkeiten entdecken können. Die Spitze des ehemaligen Fabrikschornsteins musste aus baulichen Gründen um 2,5 Meter zurückgebaut werden. Perspektivisch soll sie durch eine leuchtende Krone ersetzt werden. Für die Umsetzung dieses Vorhabens werden allerdings noch entsprechende finanzielle Mittel benötigt.
Ein neuer Bildungsort für den Leipziger Westen
Mit dem Bau des BuchKinderGartens am Leuchte-Turm erhält ein historisches Fabrikgebäude in der Demmeringstraße eine neue öffentliche Funktion. Wo einst produziert wurde, werden künftig Kinder spielen, lernen, gestalten und ihre eigenen Bücher herstellen. Der Erhalt des Gebäudes entspricht dabei auch den städtebaulichen Planungen für das Gebiet zwischen Demmeringstraße und Lützner Straße, die ausdrücklich den Erhalt der historischen Bausubstanz vorsehen.
Dass Bildungseinrichtungen über ihre Grundstücksgrenzen hinaus wirken können, gehört bereits zum Selbstverständnis des Buchkinder Leipzig e. V. Der erste BuchKinderGarten in der Josephstraße entstand im Zusammenhang mit einem bürgerschaftlich getragenen Erneuerungsprozess in einem von Leerstand und baulichem Verfall geprägten Quartier. Die Öffnung zur Nachbarschaft wurde von Beginn an mitgedacht: Eine öffentliche Tauschbibliothek, ein zum Straßenraum geöffneter Vorplatz, Lesungen, Ausstellungen und die Beteiligung an Stadtteilfesten schaffen Begegnungen zwischen Kindern, Familien und Menschen aus dem Viertel.
Auch am neuen Standort soll ein Ort entstehen, der über die eigentliche Kinderbetreuung hinaus Bedeutung für das Quartier entfaltet. Die Sanierung der Gustav-Leuchte-Fabrik verbindet den Erhalt historischer Bausubstanz mit sozialer Infrastruktur und kultureller Bildung. Familien, pädagogische Fachkräfte und Nachbarschaft erhalten einen neuen Anlaufpunkt im Leipziger Westen.
„Mit unserem neuen BuchKinderGarten, der in der Bedarfsplanung der Stadt Leipzig verankert ist, kommen wir der steigenden Nachfrage nach qualitativ hochwertigen frühkindlichen Bildungskonzepten nach. Wir sehen, dass der Bedarf an individueller Förderung zunimmt“, erklären die Geschäftsführer*innen des Vereins, Birgit Schulze Wehninck und Sven Riemer. Auch vor dem Hintergrund der Ergebnisse der jüngsten PISA-Studien sei es wichtig, die Grundlagen sprachlicher und kreativer Entwicklung bereits in den ersten Lebensjahren zu stärken.
Mehr Qualität für die Bildung von Anfang an
Die aktuelle Diskussion über Bildung und die jüngsten PISA-Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig Sprachentwicklung und Lesekompetenz für den weiteren Bildungsweg sind. Die Grundlagen dafür entstehen jedoch nicht erst in der Schule. Sie entwickeln sich lange vorher – im täglichen Austausch, im gemeinsamen Entdecken und in der Möglichkeit, eigene Gedanken auszudrücken. Die Diskussion über Kindertagesstätten konzentriert sich häufig auf Platzzahlen, Finanzierung und Personalschlüssel. Diese Fragen sind wichtig. Entscheidend ist aber ebenso, welche Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten Kinder in einer Einrichtung tatsächlich erhalten. Der neue BuchKinderGarten schafft 140 zusätzliche Betreuungsplätze und verbindet sie mit einem pädagogischen Konzept, das sprachliche Bildung, kreatives Denken, soziale Kompetenzen und kulturelle Teilhabe zusammendenkt. Die Buchkinder zeigen seit einem Vierteljahrhundert, wie Kinder durch selbstbestimmtes kreatives Arbeiten Vertrauen in die eigene Wahrnehmung entwickeln und lernen, ihre Gedanken mit anderen zu teilen.
Mit dem zweiten BuchKinderGarten am Leuchte-Turm erhält dieser Ansatz ab Januar 2027 mehr Raum – in einem Gebäude, das selbst zeigt, wie aus Bestehendem etwas Neues entstehen kann.
Tag der offenen Tür und Informationsveranstaltung am 14. November 2026
Samstag, 14. November 2026, 9 bis 14 Uhr, BuchKinderGarten am Leuchte-Turm; Demmeringstraße 61, Leipzig
Alle interessierten Eltern, Familien und pädagogischen Fachkräfte sind herzlich eingeladen, den neuen Standort kennenzulernen und sich über das pädagogische Konzept, den geplanten Kita-Alltag und die Aufnahme der Kinder zu informieren.
Vorstellung des pädagogischen Konzepts: jeweils gegen 10 Uhr und 12 Uhr
Mobile Schreib- und Druckwerkstatt für alle Kinder
Einblicke in das Gebäude und seine zukünftige Nutzung
Informationen zu den geplanten Betreuungsplätzen und zur Aufnahme
Buchkinder Leipzig e.V.
Seit 2001 hat der Verein mehr als 4.000 Kinder auf ihrem eigenen schöpferischen Weg über Text und Bild zu ihren Geschichten hinbegleitet. Derzeit arbeiten 200 Kinder regelmäßig in verschiedenen Kurs- und Workshopformaten an ihren Buchprojekten. Das Verlagsprogramm umfasst aktuell rund 1.000 Buchtitel, entstanden als individuelle Einzel- und Gemeinschaftsbücher in der vereinseigenen Buchmanufaktur, darüber hinaus entstehen zahlreiche unveröffentlichte Manuskripte und Einzelbuchexemplare. Für sein „besonderes verlegerisches Profil und außerordentliches kulturelles Engagement“ wurde der Verlag des Vereins bereits fonf Mal mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet. Das Angebot in Leipzig umfasst sowohl ein Kursprogramm als auch Kooperationen mit Bildungsinstitutionen wie Schulen, Horts und Kindergärten. Im Jahr 2013 eröffnete der Verein seinen ersten BuchKinderGarten mit eigenem pädagogischen Konzept für 119 Kinder in Leipzig. www.buchkinder-leipzig.de
