Weniger Ausbildungsplätze, aber weiterhin erhebliche Besetzungsprobleme: Rund ein Drittel der Unternehmen, die sich an unserer aktuellen Umfrage zur Aus- und Weiterbildung beteiligt haben, bietet 2026 weniger Ausbildungsplätze an als bislang. Etwa die Hälfte hält ihr Angebot konstant, lediglich 12 Prozent weiten es aus. Zugleich konnten 39 Prozent der Unternehmen nicht alle angebotenen Plätze besetzen.
Die Umfrageergebnisse verdeutlichen, dass sich die anhaltend schlechte Geschäftslage und die verhaltenen Aussichten vieler Unternehmen zunehmend auf deren Personalplanungen auswirken. Einstellungen und Investitionen werden zurückgestellt oder ganz auf Eis gelegt. Davon bleibt auch die betriebliche Ausbildung nicht unberührt.
Doch auch dort, wo Unternehmen ausbilden wollen, fehlen häufig passende Bewerbungen. Zugleich sieht eine große Mehrheit der Betriebe Defizite bei der Ausbildungsreife junger Menschen, insbesondere in Mathematik, im wirtschaftlichen Verständnis und im sprachlichen Ausdruck.
Für Dr. Gert Ziener, Geschäftsführer Grundsatzfragen der IHK zu Leipzig, verbinden sich mit den Ergebnissen zwei politische Aufgaben: Unternehmen wirtschaftlich zu entlasten und die Rahmenbedingungen für Ausbildung zu verbessern.
„Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Politik dringend Rahmenbedingungen schaffen muss, die der Wirtschaft dabei helfen, wieder Schwung aufzunehmen. Dazu gehört es, mit den auf den Weg gebrachten Sozialversicherungsreformen den Druck von den stark gestiegenen Arbeitskosten zu nehmen und diese langfristig zu stabilisieren. Zudem muss die Politik Maßnahmen ergreifen, damit Berufsausbildung für Unternehmen und junge Menschen weiter an Attraktivität gewinnt“, sagt Ziener.
Besonderen Handlungsbedarf sieht er bei der Bildungsfinanzierung und der Berufsschulstruktur: „Den Worten, bei Bildung nicht zu sparen, müssen auch Taten folgen. Im nächsten Sächsischen Doppelhaushalt müssen ausreichend Mittel für Verbundausbildung, überbetriebliche Lehrunterweisung und Berufsorientierung eingestellt werden. Zudem muss die in Sachsen aktuell laufende Fortschreibung der Berufsschulnetzplanung genutzt werden, um Fahrtwege für Auszubildende zu verkürzen, geeignete Unterbringungsmöglichkeiten an den Ausbildungsorten vorzuhalten sowie Standortkooperationen zwischen Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen durch räumliche Nähe zu fördern.“
Die zusammenfassende Auswertung der Umfrage lesen Sie hier.
