Das Bach-Museum Leipzig eröffnet am 20. Mai 2026 die Sonderausstellung »Jüdisches Leben und die Musikerfamilie Bach«. Die Schau zum Themenjahr Tacheles 2026. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen präsentiert wertvolle Notenhandschriften, Bücher und Drucke, die zu einer Spurensuche in der eigenen Sammlung einladen. Darüber hinaus bereichern mit Hör- und Medienstationen ausgestattete Ausstellungselemente die Dauerausstellung um vielfältige Aspekte jüdischen Lebens.
Teil 1: Sonderausstellung in der Schatzkammer: Eine Spurensuche im Bach-Museum
Die Sammlung des Bach-Archivs Leipzig enthält viele Zeugnisse jüdischen Lebens. Sie berichten über die Bach-Begeisterung jüdischer Familien im 18. Jahrhundert, ihre Sammelleidenschaft und Musikpraxis. Sie erzählen von antijüdischen Haltungen und Vorurteilen zur Bach-Zeit oder zeugen von den Verbrechen der Nationalsozialisten.
Die Musikbibliothek Peters
Einige der wertvollsten Bachiana verdankt das Bach-Archiv den Gründern der ersten öffentlichen Musikbibliothek Deutschlands. Max Abraham (1831–1900), Inhaber des Musikverlags C. F. Peters, stiftete sie 1893. Sein Neffe Henri Hinrichsen (1868–1942) führte die Bibliothek fort und erweiterte sie um wertvolle Bestände. 1942 wurde er im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Die Ausstellung stellt wertvolle Autographe und Drucke der »Max Abraham & Henri Hinrichsen Memorial Bach Collection« vor und berichtet von ihren Provenienzgeschichten.
Spurensuche in Bachs Bibliothek
Die Bücher in Bachs theologischer Bibliothek spiegeln typische Positionen seiner Zeit wider: Während das biblische Judentum des Alten Testaments idealisiert wurde, begegnete man zeitgenössischen Juden mit Vorurteilen und Verachtung. Dass Bach zeitgenössischen Juden skeptisch gegenüberstand, belegen Korrekturen, die er in seiner Bibelausgabe des orthodoxen Lutheraners Abraham Calov vornahm.
Jüdische Bach-Rezeption in Berlin
Wohlhabende jüdische Familien – vor allem die Vorfahren von Felix Mendelssohn Bartholdy – spielten eine zentrale Rolle für die frühe Verbreitung der Werke Bachs und seiner Söhne. Kaum zwei Jahrzehnte nach Bachs Tod entwickelte sich im Haus des Bankiers Daniel Itzig (1723–1799) ein regelrechter »Bach-Kultus«. Die Ausstellung führt in die Besonderheiten der frühen jüdischen Bach-Rezeption ein und stellt ihre wichtigsten Protagonisten vor.
Teil 2: Temporäre Stationen in der Dauerausstellung
Temporäre Stationen im Bach-Museum stellen Bezüge zu Themen der Dauerausstellung her – aus jüdischer und christlicher Perspektive: So geht es um den Orgelstreit zwischen orthodoxen und reformorientierten Juden ebenso wie um die Verteidigung der Instrumental- und Orgelmusik im lutherischen Gottesdienst. Ein Ausstellungselement stellt jüdisches Leben und christliche Hebraistik zur Bach-Zeit gegenüber. Die zugehörige Medienstation berichtet unter anderem über eine Lehrsynagoge in Leipzig sowie über Kontakte Bachs zu christlichen Gelehrten der jüdischen Wissenschaften. Auch die Frage, ob Bachs Passionen antijüdisch sind, wird hier behandelt. Hörstücke vermitteln einen Eindruck von erbitterten Konflikten um jüdische Religionsausübung. Eine weitere Hörstation lässt ein Konzert mit jüdischer und christlicher Musik aus dem Jahr 1926 in der großen Gemeindesynagoge Leipzig erklingen.
Die Ausstellung läuft bis zum 13. Dezember 2026. Sie wird großzügig unterstützt von der Szloma-Albam-Stiftung sowie der Holger Koppe-Stiftung.
»Jüdisches Leben und die Musikerfamilie Bach«
21. Mai bis 13. Dezember 2026 im Bach-Museum Leipzig (Kuratorin: Kerstin Wiese)
Weiterführende Informationen zur Ausstellung:
ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr
Die Ausstellung wird durch ein umfangreiches Veranstaltungs- und Konzertprogramm begleitet:
KONZERTE (Eintritt frei)
Programm: www.bachmuseumleipzig.de
Moderierte Konzerte lassen die Bach-Begeisterung jüdischer Familien lebendig werden und eröffnen neue Zugänge zur Ausstellung — mit Klavier- und Kammermusik von Johann Sebastian Bach und seinen Söhnen.
Sonntag: 28. Juni, 11 Uhr
Dienstag: 7. Juli / 4. August / 1. September, 15 Uhr
Samstag: 24. Oktober, 15 Uhr
FÜHRUNGEN (im Eintrittspreis inbegriffen)
Freitag, 15 Uhr: 22.5. / 26.6. / 21.8. / 18.9. / 13.11. / 11.12.
Sonntag, 11 Uhr: 24.5. / 26.7. / 18.10. / 15.11. / 13.12.
