Warum den Vergleich mit New York scheuen? Leipzig hat jetzt auch einen High Line Park: Der Höhenpark auf dem Sellerhäuser Viadukt ist seit dem heutigen Freitag, 2. Oktober 2026, fertiggestellt. Auf der früheren Bahntrasse lädt er ab sofort zum Joggen, Radfahren, Treffen und Entspannen ein – mit einer sensationellen Aussicht in gut acht Metern Höhe.
Das Viadukt ist ein zentraler Abschnitt des Parkbogens Ost, der den Leipziger Osten künftig auf rund acht Kilometern als grünes Aktivband umschließen soll. Es zeigt beispielhaft, wie ungenutzte Infrastruktur für die Zukunft der Stadt neu gedacht werden kann. Oberbürgermeister Burkhard Jung sagt: „Zwischen einer Vision und einer Schnapsidee liegt manchmal nur ein schmaler Grat. Aber hier hat eine Initiative von Bürgern die Verwaltung und den Stadtrat für ihre Idee begeistert – und jetzt durchschreiten wir diese Vision gemeinsam. Aus einem ehemaligen Bahnbauwerk ist ein grüner, öffentlicher Stadtraum geworden – der positiv auf das Stadtklima einzahlt, neue Wege für das Quartier öffnet und eine auch für Leipzig einmalige Aufenthaltsqualität bietet.“
In den vergangenen Jahren wurde das Viadukt – das 250 Meter lange und 8,80 Meter breite Baudenkmal mit den markanten Natursteinbögen – fachgerecht saniert. Ein prägendes neues Gestaltungselement ist dabei das Grün: 58 klimaangepasste Bäume, 6.500 Stauden und Gräser sowie zahlreiche Sträucher und Geophyten, also mehrjährige Pflanzen mit Zwiebeln, wurden auf dem Viadukt gepflanzt. Dafür kommen speziell entwickelte Pflanztröge und wasserspeicherndes Substrat zum Einsatz. Das Regenwasser wird gesammelt und für die Bewässerung wiederverwendet. Das Viadukt wird zu einem klimaangepassten Freiraum, der auch bei heißeren und trockeneren Sommern zum Verweilen einlädt.
Die Idee des Parkbogens entstand ursprünglich aus der Stadtgesellschaft und wurde über viele Jahre gemeinsam mit Bürgerinnen, Planern, Mitarbeiterinnen der Verwaltung und weiteren Partnern weiterentwickelt. Das nun fertiggestellte Viadukt ist deshalb auch ein Ergebnis dieses langen gemeinsamen Prozesses. Als Gewinnerin des freiraumplanerischen Wettbewerbs zur Gestaltung des Höhenparks begleiten Sinai Landschaftsarchitekten seit 2019 den Planungsprozess rund um den Parkbogen Ost.
Die Kosten für den abgeschlossenen Bauabschnitt belaufen sich auf rund 8,1 Millionen Euro. Finanziert wurden diese zu zwei Dritteln aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“, die verbleibenden 2,6 Millionen Euro durch die Stadt.
An die Freigabe des Viadukts schließt der nächste Teil des Parkbogens an: Der rund 450 Meter lange Gartenpark zwischen Liselotte-Hermann-Straße und Theodor-Neubauer-Straße soll ab Ende des Jahres umgesetzt werden. Auch die Arbeiten in Richtung Norden gehen voran. Die neue Brücke über die Eisenbahnstraße soll noch in diesem Jahr fertig werden, die Weiterführung zum Volksgarten sowie die Querung über die Torgauer Straße startet im kommenden Jahr.
Weitere Informationen:
www.leipzig.de/parkbogen-ost
