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Festivalmotiv von DOK Leipzig 2026, Design: Stefan Ibrahim
Festivalmotiv von DOK Leipzig 2026, Design: Stefan Ibrahim

DOK Leipzig gibt erste neue Sektion unter Ola Staszel bekannt

„Positions“ widmet sich der Welt im Detail und in all ihrer Tiefe, Komplexität und Ambivalenz

27.08.2026 Veranstaltungen
DOK Leipzig

Rund zwei Monate vor Beginn der 69. Festivalausgabe hat DOK Leipzig die ersten Programminhalte bekanntgegeben. Intendantin Ola Staszel, die seit Januar 2026 die künstlerische Leitung und Geschäftsführung des Leipziger Festivals verantwortet, führt mit „Positions“ eine neue Sektion ein, die Austausch und Debatte mehr Raum gibt. Diese widmet sich der Welt im Detail und in all ihrer Tiefe, Komplexität und Ambivalenz. Die Filmauswahl soll Ausgangs- und Anknüpfungspunkt sein, einander zuzuhören und ins Gespräch zu kommen, andere Meinungen und Widersprüche auszuhalten und eigene Überzeugungen zu hinterfragen.

Die Filme begleiten etwa Angehörige bei der Suche nach den Spuren der Verschwundenen des Spanischen Bürgerkriegs („Atlas of Disappearance“), setzen der Erdölförderung in Nigeria Poesie entgegen („Hope is a Word“) und beobachten, wie in einer Ausbildungsstätte für Gefängniswärter*innen in Frankreich Zweifel durch Gehorsam zu Routinen werden („Detention“). Die übrigen Filme stehen dieser Vielschichtigkeit in nichts nach. So beleuchtet „Tricontinental, Letter to Open in Case Of“ eine sozialistische Bewegung während des Kalten Krieges und „Fracture“, ein intuitiv fließendes Videotagebuch der israelischen Aktivistin Keren Kraizer, dokumentiert ihre Ambivalenz bei der Rückkehr in ihre Heimat, wo bald alles zu explodieren droht. Regisseurin Barbara Kopple, die bereits zweimal mit dem Oscar in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ ausgezeichnet wurde, vervollständigt mit „Union Town“ ihre Trilogie über die Rechte der Arbeiterklasse. Nicht zuletzt umfasst die Reihe die Weltpremiere von „The Masturbator - The Adventures of Edgar Hilsenrath“ über das Leben des vor 100 Jahren geborenen Leipziger Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden Edgar Hilsenrath – in einer kraftvollen Mischung aus Animation und Archivmaterial.

Teil der Sektion sind in Kooperation mit der Woche der Kritik außerdem zwei Debattenformate, die etablierte Gesprächsstrukturen zwischen Publikum, Filmschaffenden und Kritiker*innen aufbrechen und im Anschluss an zwei Screenings stattfinden werden. Die Woche der Kritik wird vom Verband der deutschen Filmkritik ausgerichtet und erprobt seit 2015 parallel zur Berlinale verschiedene Formen des Sprechens über Film. Beim Festival entsteht seither eine Vielzahl spielerischer und experimenteller Diskussionsformate, die seit 2025 in einem Glossar präsentiert werden. Ergänzend zu den gemeinsam entwickelten Diskussionsabenden wird es nach weiteren Filmvorführungen der Reihe Extended Q&As mit Filmschaffenden und eingeladenen Expert*innen geben.

Die bisherigen Sektionen „Camera Lucida“ und „Panorama: Mittel- und Osteuropa“ werden nicht weitergeführt. Filme mit unkonventionellen Handschriften und jene, die den Blick auf Mittel- und Osteuropa richten, werden damit nicht mehr in gesonderten Programmen gebündelt, sondern finden sich in den Wettbewerben des Festivals.

Ebenfalls neu bei DOK Leipzig 2026: Der Publikumspreis, eine Goldene Taube für einen langen Dokumentarfilm, wird nicht mehr von einer Jury ausgewählt, sondern per Onlineabstimmung direkt vom Publikum.

Das Festivalmotiv wurde erneut vom Leipziger Grafiker und Illustrator Stefan Ibrahim gestaltet und wird in den Wochen vor Festivalbeginn überall in der Stadt zu finden sein.

„Unser diesjähriges Plakatmotiv lässt ganz bewusst viele Lesarten zu“, betont Festivalleiterin Ola Staszel. „Von der Arbeiterbewegung über politische und feministische Bezüge bis hin zur Popkultur – gerade in der Vielschichtigkeit des Motivs liegt dessen Stärke. Und das passt auch zur Vielstimmigkeit in Gemeinschaft, die wir mit dieser Festivalausgabe in besonderem Maße ins Zentrum stellen wollen.“

Gestalter Stefan Ibrahim stellt die verbindende Dimension des Motivs heraus: „Das Motiv zeigt Körper in Bewegung und Menschen im Miteinander. Eine Assoziation zu Arbeit und Produktion ist dabei freilich gewollt. Ganz gleich ob Kunst, Handwerk, Dienstleistung oder Care-Arbeit, jede*r ist gemeint, jede*r ist gesehen. Bei DOK Leipzig und weit darüber hinaus, entscheiden sich Kunst- und Kulturschaffende beinahe tagtäglich für einen Gestaltungsprozess mit allen Höhen und Tiefen und auch dazu, diesen in all seinen Facetten sichtbar zu machen. Sei es, um eine Geschichte zu erzählen, oder um sie einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Dieses Plakat würdigt dieses unverzichtbare Engagement und lädt dazu ein, zwischen den (Sitz-)Reihen Teil einer Idee, eines Dialogs und einer gemeinsamen Auseinandersetzung zu werden.“

Eine zweite neue Sektion, zu der auch der Eröffnungsfilm gehört, wird Mitte September veröffentlicht.

Weitere Programmreihen der diesjährigen Festivalausgabe werden in den kommenden Wochen vorgestellt. 

Das gesamte Programm inklusive aller Vorführzeiten ist ab dem 8.10.2026 auf der Website von DOK Leipzig zu finden. Gleichzeitig startet online der Ticketverkauf.

Alle Filme der Sektion im Überblick:
Filmlisten 2026



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