Er gilt heute als Pionier der Kleinbildkamera: Vom 1. April bis 31. Juli 2026 präsentiert das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig mit dem Exilarchiv der Deutschen Nationalbibliothek zwei Ausstellungen unter dem Titel »Der Mensch im Fokus« zum Fotograf Fred Stein (1909-1967) im Exil. »Fred Stein und der Spanische Bürgerkrieg« (bis 31. Juli) zeigt 90 Jahre nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs im Capa-Haus Leipzig Fotos geflüchteter Kinder sowie Porträtaufnahmen von Gerda Taro in Paris. »Out of Exile. The Photography of Fred Stein« (bis 4. Juli) zeigt in der Deutschen Nationalbibliothek Leben und Werk des Fotografen im Exil.
Fred Stein (1909–1967) wurde in Dresden geboren, studierte Jura und legte 1930 in Leipzig sein erstes juristisches Staatsexamen ab. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 wurde er als Jude und Sozialist aus dem Justizdienst entlassen, kurz vor Abschluss seines Referendariats. Er flüchtete mit seiner Frau Lilo nach Paris, wo er als Presse- und Porträtfotograf großes Ansehen gewann. 1941 emigrierte Fred Stein nach New York, dort setzte er seine Karriere als Fotograf fort.
Seine Fotografie war immer auch politisch und sozial. In den Bildern von Kindern, die vor den Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs nach Frankreich geflüchtet waren, spiegelt sich seine humanistische Überzeugung wider. Sie waren sein fotografischer Beitrag im Widerstand gegen Faschismus und Nationalsozialismus, während die mit Stein befreundeten Gerda Taro und Robert Capa an der Front fotografierten.
Tim Rood, Kurator für Outreach und Museumsentwicklung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig
»Fred Stein war Antifaschist, Humanist, Sozialist, aus jüdischem Elternhaus und in erster Linie Fotograf. Durch seinen menschlichen und sozial-dokumentarischen Blick im Pariser und New Yorker Exil hielt er berührende Momente fest: auf der Straße und im Studio. Mit dem Kooperationsprojekt bringen wir nicht nur einen Beitrag im Themenjahr TACHELES, sondern erinnern zum 90. Jahrestag an den Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939 – und damit an den Versuch, dem Faschismus in Europa Einhalt zu gebieten und gleichzeitig eine libertäre Revolution zu starten. Zudem erzählt das Projekt die Geschichte der Pariser Freundschaft von Fred Stein, Gerda Taro und Robert Capa erstmals in Leipzig. Eine Stadt, mit der alle drei wichtige biografische Stationen verbinden.«
Mit seiner Straßenfotografie hielt Fred Stein das alltägliche Leben und die interkulturelle Vielfalt an den Orten seines Exils fest. Seine zahlreichen Porträtaufnahmen, unter anderem von Hannah Arendt, Albert Einstein oder Marlene Dietrich, machten ihn zu einem Dokumentar der deutschsprachigen Emigration.
Peter Stein, Fred Stein Archive, New York
»Es erscheint mir nur folgerichtig, dass das Werk meines Vaters in Leipzig gezeigt wird, wo er sein Jurastudium absolvierte – und 1933 als Jahrgangsbester abschloss. Er liebte Leipzig und wäre sicher sehr stolz darauf gewesen, hier gewürdigt zu werden. […] Es ist für mich ein Privileg, das Vermächtnis von Fred Stein zu fördern – die Fotografien sind historisch und kulturell so bedeutend! Mein Vater starb sehr jung und lebte nicht mehr, als die Fotografie als Kunstform anerkannt wurde. Viele seiner Zeitgenossen konnten Ausstellungen in Galerien und später in Museen erreichen, doch Fred Steins Werk geriet größtenteils in Vergessenheit. Es ist mir eine Ehre als Künstler und als sein Sohn, ihm nicht nur zu der Anerkennung zu verhelfen, die er verdient, sondern auch sein Werk für die Fotogeschichte und die Geschichte im Allgemeinen zu bewahren. Seine Straßenaufnahmen von Paris vor dem Krieg und von New York vor und nach dem Krieg sowie seine über 1200 Porträts von Persönlichkeiten werden nun Teil des historischen Archivs.«
Führungen und Filmvorträge in der Schaubühne Lindenfels mit dem Filmregisseur Peter Stein, der über seinen Vater spricht, sowie eine Lesung mit dem Historiker und Stein-Biografen Prof. Dr. Daniel Siemens begleiten die Ausstellungen.
Die Ausstellungen sind in enger Zusammenarbeit mit dem Fred Stein Archive New York im Rahmen des Jahres der jüdischen Kultur Sachsen 2026 entstanden.
