Die sächsische Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus (sLAG) organisiert eine sachsenweite Tour mit der Ausstellung „Festgehalten. Verschleppt aus Deutschland 1938–1945”. Sie startet am 06./07.06.2026 im Rahmen des Sachsenburger Dialogs in Frankenberg.
Zwischen 1938 und 1945 wurden mehr als 200.000 Menschen aus dem damaligen deutschen Reichsgebiet deportiert. Viele dieser Deportationen wurden fotografisch dokumentiert. Aus nahezu 70 deutschen Städten sind inzwischen entsprechende Aufnahmen bekannt. Das Forschungsprojekt #Last Seen unter der Leitung von Dr. Alina Bothe (Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg) sammelt, sichert und erforscht seit 2021 diese historischen Bildzeugnisse und macht sie mit einem online-Bildatlas öffentlich zugänglich. Mit der kompakten und interaktiven Wanderausstellung wird nun ein weiterer Zugang zu den Bildern angeboten.
Alina Bothe dazu: „Die Bilder zeigen nicht nur die Verfolgten, sondern belegen, dass Deportationen öffentlich und am helllichten Tag stattfanden. Auf vielen Aufnahmen sind Zuschauende zu erkennen: Nachbar*innen, Passanten, mitunter auch aktiv Beteiligte. Teilweise lässt sich deren Identität sogar rekonstruieren. Die Bilder zeigen, dass der Prozess der Vernichtung mitten in den deutschen Städten begann – ohne Deportationen kein Auschwitz.”
Die Ausstellung lädt dazu ein, die Rolle von Beobachtenden in der Zeit des Nationalsozialismus und ihre Bedeutung für die heutige Erinnerungskultur zu reflektieren. Welche Verantwortung tragen Menschen, die Zeug*innen von Ausgrenzung, Verfolgung und Deportation werden? Was bedeutet es, wenn Nachbar*innen zuschauen, wegsehen oder sich sogar an der Verfolgung beteiligen?
„Für uns ist das Projekt ein wichtiger Beitrag der Erinnerungskultur im Themenjahr ‚Tacheles‘, in dem auch die Schoa und der unwiederbringliche Verlust deutsch-jüdischer Kultur eine wichtige Rolle spielen müssen. Die Ausstellung vermittelt dabei nicht nur Fakten, sondern fordert dazu auf, sich mit der eigenen Rolle auseinanderzusetzen. Auch wenn für Sachsen bisher nur ein Foto aus Leipzig in den Bildatlas aufgenommen werden konnte, sind die regionalen Bezüge dafür besonders geeignet. Außerdem empfehlen wir das Bildungsmaterial des Forschungsprojekts, für Schulen insbesondere das online-Game“, so Jane Wegewitz, sLAG-Referentin und Organisatorin der Tour.
Die Ausstellung mit Begleitprogramm ist nach dem Tourstart in Frankenberg in Dresden, Leipzig, Zwickau, Plauen und Chemnitz zu sehen. Alle Informationen sind online unter Ausstellungstour „Festgehalten. Verschleppt aus Deutschland 1938–1945” abrufbar.
17.08.–14.09.26 | Leipzig
Ariowitsch-Haus, Hinrichsenstr. 14, Leipzig
17.08.26, 18:00 Uhr
Eröffnung mit Dr. Ramona Bräu-Herget
Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mo. bis Do.: 14:00–18:00 Uhr
