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Foto: AM ADLER – Initiative für sozialen Stadtraum & Kommunikation
Foto: AM ADLER – Initiative für sozialen Stadtraum & Kommunikation

AM ADLER zieht Bilanz: Zweieinhalb Jahre Nachbarschaft, Kultur und Gemeinsinn

Die Zukunft der Idee bleibt offen

12.10.2026 Stadtinformationen
AM ADLER

Nach zweieinhalb Jahren endet der Betrieb von AM ADLER in seiner bisherigen Form zum 31. Oktober 2026. Der Initiator Johannes Strom zieht Bilanz: Das Projekt habe gezeigt, was ein offener Ort für Nachbarschaft, Begegnung und kulturelle Teilhabe ermöglichen könne. Wirtschaftlich habe sich das bisherige Modell jedoch nicht selbst getragen. Nun stellt sich die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen die Idee langfristig fortgeführt werden kann.

Aus einem Grundstück in der Windorfer Straße 2 in Leipzig wurde ein offener Treffpunkt, an dem Menschen unabhängig von Konsum und Veranstaltungszwang zusammenkommen konnten. Gemeinsam wurde gekocht, gebaut, musiziert, gestaltet, diskutiert und geholfen. Nachbarschaftliches Engagement, freiwillige Unterstützung und die Zusammenarbeit mit Partnern und Unternehmen machten zahlreiche Aktivitäten möglich.

„AM ADLER war nie nur ein Grundstück. Es war ein Versuch, eine einfache Frage praktisch zu beantworten: Was passiert, wenn wir einen Ort nicht ausschließlich danach beurteilen, was er wirtschaftlich abwirft, sondern auch danach, was er für die Menschen hervorbringt, die ihn nutzen?“, sagt Johannes Strom, Initiator und Sprecher für Öffentlichkeitsarbeit.

Ein Projekt mit Wirkung – und wirtschaftlichen Grenzen

Die vergangenen zweeinhalb Jahre waren geprägt von praktischen Experimenten, Begegnungen und der Zusammenarbeit mit Menschen aus der Nachbarschaft. Die Erfahrungen wurden zudem in der Buchchronologie „Zwei Jahre AM ADLER“ dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht.

Gleichzeitig zieht Strom eine klare wirtschaftliche Bilanz: Die laufenden Einnahmen hätten nicht ausgereicht, um die Betriebskosten zuverlässig zu decken und ausreichende Rücklagen für Investitionen, Weiterentwicklung und eine reguläre Stelle aufzubauen.

„Ein Projekt, das dauerhaft auf persönlichem Einsatz und dem Auffangen finanzieller Lücken beruht, ist kein tragfähiges Geschäftsmodell. Es wäre falsch, das schönzureden. Es wäre aber ebenso falsch, daraus zu schließen, dass die Idee dahinter wertlos ist“, so Strom.

Zum Abschied richtet er seinen Dank an die Nachbarn, freiwilligen Helfer, Unterstützer, Unternehmen und Partner, die AM ADLER mit Zeit, Material, Wissen, Geld und persönlichem Einsatz ermöglicht und begleitet haben. Auch kritische Rückmeldungen seien Teil des Lernprozesses gewesen.

Wie können offene Orte dauerhaft finanziert werden?

Mit dem Ende des bisherigen Betriebs ist die Zukunft der Idee nicht grundsätzlich entschieden. Strom möchte die Erfahrungen aus dem Projekt nutzen, um über tragfähige Modelle für offene Begegnungsorte nachzudenken. Dafür brauche es geeignete Flächen, langfristiges Kapital, professionelle Strukturen und Partner, die wirtschaftliche Verantwortung übernehmen können.

„Was mir fehlt, ist nicht die nächste Idee. Was fehlt, sind die Voraussetzungen, unter denen aus einer Idee eine dauerhaft tragfähige Institution werden kann“, sagt Strom.

Denkbar seien eine andere Trägerschaft, ein neuer Standort oder eine Verbindung aus gewerblicher Nutzung und gemeinwohlorientierten Angeboten. Auch die Frage, wie sich gesellschaftlicher Nutzen und wirtschaftliche Tragfähigkeit besser miteinander verbinden lassen, soll Teil weiterer Gespräche sein.

„Ich möchte nicht so tun, als gäbe es bereits einen fertigen Plan oder eine gesicherte Finanzierung. Aber ich halte die Idee nicht für gescheitert, nur weil ihre bisherige Finanzierung nicht funktioniert hat“, erklärt Strom.

Gesprächspartner für ein mögliches nächstes Kapitel gesucht

Johannes Strom lädt potenzielle Partner, Unternehmen, Institutionen und Personen mit Erfahrung in Grundstücksentwicklung, Finanzierung und gemeinwohlorientierten Projekten ein, gemeinsam zu prüfen, ob sich aus den Erfahrungen von AM ADLER ein belastbares Folgeprojekt entwickeln lässt.

Im Mittelpunkt steht nicht die unveränderte Fortführung des bisherigen Betriebs um jeden Preis, sondern die Frage, welche Voraussetzungen nötig wären, um einen offenen Begegnungsort langfristig zu sichern.

„AM ADLER hat gezeigt, was Menschen mit einem Ort anfangen können, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt. Jetzt wäre zu klären, was möglich wird, wenn man diesem Gedanken auch wirtschaftlich eine echte Grundlage verschafft.“

Der Betrieb am bisherigen Standort endet am 31. Oktober 2026. Ob daraus ein neues Projekt, eine andere Trägerschaft oder ein neuer Standort entsteht, ist derzeit offen.



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