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Wismut: A Nuclear Choir

10.10.2019 Schauspiel
20:00 Uhr
Neues SchauspielTickets: ab 20,40 EUR

Jule Flierl & Mars Dietz (Berlin / New York) / Artists in Residence

Die Doku-Tanz-Performance „Wismut – A Nuclear Choir“ ist eine Zusammenarbeit zwischen der Choreographin und Tänzerin Jule Flierl und der bildenden Künstlerin und Musikerin Mars Dietz. Sie untersuchen die Geschichte des Uranbergbaus im sächsischen Erzgebirge und sein Nachstrahlen in Landschaft, Gesellschaft und individuellen Körpern. Flierl und Dietz choreographieren einen Bewegungschor und gestalten einen Raum, in dem durch den lokalen Fokus auf die Wismut globale Fragen nach der Ausbeutung von Landschaften und Körpern reflektiert werden.

Im Zuge des Wettrüstens während des Kalten Krieges lieferte das Bergbauunternehmen Wismut im Erzgebirge seit Ende der 1940er Jahre Uran für die sowjetische Atombombe. Durch die rasante Ausweitung des Uranbergbaus und die überstürzte Ansiedlung von ArbeiterInnen verschwanden Ortschaften und Wälder, es wurden riesige Halden zutage gebracht und die Landschaft irreparabel vergiftet und verstrahlt. Der Uranbergbau fand unter strengster Geheimhaltung, Bewachung und sowjetischer Leitung statt. Nach dem nuklearen Desaster in Tschernobyl formierte sich eine DDR-weite Umweltbewegung, in der AktivistInnen u. a. Informationen über den Wismut-Bergbau sammelten und veröffentlichten. Mit der Wende wurde der Uranbergbau der Wismut AG eingestellt. Der damit einhergehende Wandel wirkt sich bis heute auf die regionale Identität, die Landschaft, Gesellschaft und ihre Menschen aus.

Im Mittelpunkt der multimedialen Annäherung von Flierl und Dietz steht das Kollektiv in Form eines Bewegungschores. In der Geschichte verkörperten Bewegungschöre vielfältige Kollektivitäts-Utopien. Sie entwarfen den Körper als Träger bestimmter Wertvorstellungen und Menschenbilder. Der Bewegungschor „Wismut – A Nuclear Choir“ entwirft sein Menschenbild aus der Geschichte der verstrahlten, ausgebeuteten und sanierten Landschaft der Ex-Wismut-Region. Das Projekt untersucht den Widerspruch von kollektiver Identität als Utopie der Gemeinschaft und Dogma der Gleichschaltung. Aus der kritischen Auseinandersetzung entwickeln Flierl und Dietz eine futuristische Choreographie, die nach radikalen, kollektiven Körperbildern in der zerwühlten Gegenwart sucht.

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