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Foto: Rolf Arnold

Ännie

von Thomas Melle

28.06.2019 Schauspiel
20:00 Uhr
Schauspiel LeipzigTickets: 15,00 EUR

Zwei Jahre sind vergangen, seit die 16-jährige Ännie verschwunden ist. Zwei Jahre, in denen die Zeit wie stehen geblieben scheint. Denn die Gespräche kreisen nach wie vor um das spurlose Verschwinden dieses Mädchens. Ein Mädchen, über das seit jeher viel gesprochen wurde: Als uneheliches Kind in einer Affäre gezeugt, von einer alleinerziehenden Mutter am Rand der Gesellschaft aufgezogen, galt sie als hochbegabtes Genie und war zugleich Außenseiterin und Faszinationsobjekt — und wird es in ihrer unerklärlichen Abwesenheit nur umso stärker.
Die Ungewissheit um Ännies Verbleib verführt die BewohnerInnen des aus der Zeit gefallenen Ortes zu den unterschiedlichsten Spekulationen: Als Islamistin sei sie in den Krieg gereist, nein, als Rechtsradikale untergetaucht, nein, Opfer eines brutalen Gewaltverbrechens sei sie geworden oder habe selbst eines begangen, nein, alles sei lediglich inszeniert und sie lebe wie Elvis und Jim Morrison friedlich und zurückgezogen auf einer fernen Insel.
Den tatsächlichen Grund für Ännies Verschwinden kann unterdessen auch der privat ermittelnde ehemalige Polizist Fred, der sich als biologischer Vater wähnt, nicht aufklären. Denn die Erinnerungsschnipsel der Lehrerin, des Dealers, der einstigen KlassenkameradInnen, ihrer wirren Mutter Romy oder Pierres, ihres damaligen Freundes oder Lovers, wer weiß das schon genau, zeichnen widersprüchliche Bilder dieses rätselhaften Mädchens.
Und so avanciert Ännie in ihrer mystischen Abwesenheit zur omnipräsenten Projektionsfläche der sie umgebenden Figuren, die der Wahrheit mit ihren Mutmaßungen zwar nicht näher kommen, darüber aber viel über sich selbst erzählen und ihre eigenen Abgründe, heimlichsten Ängste und innersten Sehnsüchte offenlegen.

Thomas Melle, der neben Theaterstücken auch Prosa schreibt und diverse Auszeichnungen erhielt, kreiert mit „Ännie“ einen polyphonen Kosmos, der hinter einer auf den ersten Blick eindeutig wirkenden Fassade eine komplexe Welt paralleler Wirklichkeiten birgt.

Regisseur Yves Hinrichs arbeitet seit 2013 am Schauspiel Leipzig, wo er den Theaterjugendclub „Sorry, eh!“ leitet, dessen Inszenierungen vielfach ausgezeichnet wurden, zuletzt mit der Einladung zum Theatertreffen der Jugend 2018. „Ännie“ ist nach „TSCHICK“ und „Über Grenzen“ die dritte Inszenierung, in der Hinrichs mit Mitgliedern des Jugendclubs und des Schauspielensembles zusammenarbeitet.

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