Leipzig – neue Hochburg für Start-Ups und Games-Entwickler?

Berlin gilt nach wie vor als die hippste Stadt Deutschlands, wo sich die kreativen Köpfe des Landes sowie Start-Up-Gründer versammeln. Das multikulturelle Flair der Stadt sowie eine junge Atmosphäre machen die deutsche Hauptstadt natürlich zum beliebten Standort, doch günstig ist die Metropole schon lange nicht mehr, weshalb immer mehr neue und innovative Firmen nach günstigeren Alternativen suchen, wo sie zudem auf finanzielle Unterstützung durch Regierungsinitiativen und Ausschreibungen hoffen können. Leipzig ist derzeit im Gespräch zur neuen Hochburg für Tech-Unternehmen und für die aufstrebende Gaming-Industrie zu werden.

Berlin liegt mit 34.092 Euro im Jahr derzeit auf Platz 34 der Städte Deutschlands mit den höchsten Lebenshaltungskosten – zwar weit hinter München auf Platz 1 mit 50.000 Euro, jedoch über Leipzig auf Platz 64 mit 29.754 Euro im Jahr, wie das Magazin Focus ermittelte. Damit ist die Hauptstadt keineswegs der optimale Standort gerade für neue Firmengründer mit beschränktem Startkapital. Stattdessen gilt mittlerweile Leipzig als die deutsche Gründerstadt schlechthin, und das hat verschiedene Gründe.

Leipzig besitzt optimale Voraussetzungen für Gründer
Die Sachsen-Metropole mit seinen fast 600.000 Einwohnern besitzt nicht nur ein vertretbares Kostenniveau, sowohl zum Leben, aber auch für den Firmenbetrieb, sie ist zudem gut vernetzt und Wohnsitz vieler talentierter Nachwuchskräfte sowie gut ausgebildeter Berufstätiger aus aller Welt. In Mitteldeutschland nahe Berlin gelegen, aber auch mit guter Anbindung an die Tech-Städte München, Frankfurt und Hamburg, wächst die Gründerszene dort rapide an. Eric Weber, Geschäftsführer und Mitgründer bei SpinLab, betonte im Interview mit dem German Convention Bueau (GCB), dass Leipzig ein attraktiver Ort, besonders für Gründer sei, weshalb die Stadt als eine der Leuchtturmstandorte im Rahmen der Digital Hub Initiative des BMWi ausgewählt wurde.

Die deutsche Gaming-Industrie boomt
Besonders für die sich derzeit schnell entwickelnde Gaming-Industrie Deutschlands könnte dies neue Chancen für attraktive Firmenstandorte bieten. Ende 2019 wurde bestätigt, dass der Bund weiterhin die deutsche Spielebranche fördern wird, und zwar nicht zu knapp – jährlich wurde eine Förderung in Höhe von 50 Milliarden Euro zugesichert, um damit die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Vergleich zu anderen Ländern zu garantieren. Laut Umfragen des Spielerverbands „Game“ sah der Computer- und Videospielemarkt Deutschland zwischen 2017 und 2018 einen Zuwachs von 9%, während Spiele-Apps mit einem Anteil von 1506 Millionen Euro 2018 einer der größten Wachstumstreiber war.

Smartphones sind die beliebteste Gaming-Plattform
Besondere Beachtung verdient in diesem Zusammenhang auch die Zunahme der Popularität von Glückspielen, besonders da sich 2018 laut „Game“ das Smartphone mit 18,6 Millionen Marktanteil zur beliebtesten Plattform, weit vor Video-Konsolen, PCs und Tablets entwickelte. Wenngleich Online-Glücksspiel in Deutschland gesetzlich kompliziert ist, soll es im Sommer 2021 zu einer Gesetzesänderung kommen, die den Markt liberalisiert. Derzeit müssen sich Fans noch auf internationale Anbieter konzentrieren, die oftmals schnelle Auszahlungen und relativ hohe Gewinnchancen garantieren. Im November 2019 landete zudem das Spiel „Coin Master“ auf Platz 1 der beliebtesten Spiele-Apps, ein weiterer Beweis dafür, dass Spiele im Stil einarmiger Banditen derzeit angesagter denn je sind.

Leipzig lockt Gaming-Anbieter
Der deutsche Gaming-Markt stieg zwischen 2017 und 2018 von rund 2.9 Milliarden Euro auf über 3,1 Milliarden Euro an, während der deutsche Anteil am internationalen Markt zurückging. Die staatliche Förderung der Branche mag demnach eine Initiative sein, um die Relevanz Deutschlands als globalen Standort zu erhöhen. Große Entwickler wie InnoGames, Bigpoint und Goodgame Studios sind derzeit in Hamburg ansässig, Frankfurt, Berlin und München sind weitere große Gaming-Hochburgen, während Leipzig derzeit diverse Initiativen startet, um gerade Start-Up-Unternehmen aus diesem Bereich anzulocken. Gerade im mobilen Gaming-Markt tut sich eine Menge, ständig erscheinen neue Mobile-Apps, die den Zeitvertreib überall und zu jeder Zeit ermöglichen. Junge Entwickler dieser Spiele sind dabei natürlich auf der Suche nach Standorten, die sie sich gerade im Anfangsstadium ihres Unternehmens leisten können.

Leipzigs Beitrag zur Gründer- und Innovationsförderung
Initiativen wie die Leipziger Gründernacht sind dabei besonders attraktiv. Dabei handelt es sich um eine Ausschreibung für alle Existenzgründer des aktuellen und Vorjahres, wobei insgesamt Preisgeld in Höhe von 8.000 Euro ausgelobt werden. Die Gewinnausschüttung erfolgt in den Kategorien „Idee“ – wobei jegliche kreative Idee für eine kreative Gründung eingereicht werden kann – sowie „StartUp“, in der sich Existenzgründer wie auch junge Unternehmer und Freiberufler bewerben können. Neben der Gründernacht bemüht sich die Sachsenmetropole mit weiteren Initiativen ums Anlocken neuer Unternehmen – wie Coworking Spaces, Netzwerke sowie verschiedene Plattformen zum Austausch und der Förderung von Innovationen. Darüber hinaus erhielt Leipzig im April 2017 als einer von zwölf wichtigen deutschen „Digital Hub“-Standorten den Zuschlag des Bundesministeriums, um die Stadt als einen der wichtigsten Digitalisierungsstandorte zu etablieren.

Sachsens Wirtschaftsministerium stellte im Zusammenhang mit Beginn 2018 und für den Zeitraum von fünf Jahren 836.000 Euro bereit, um mit dem Aufbau eines „Smart Infrastructure Hubs“ zu beginnen. Dabei werden das „Spin Lab“ – die Gründerschmiede der Handelshochschule Leipzig - erweitert und in weiteren Schritten ein Gründerzentrum für die Ansiedlung und das Wachstum von Start-Ups aufgebaut, sowie ein Kompetenzzentrum für Energie- und ‚Smart City“-Lösungen geschaffen.

Leipzig besitzt demnach jede Voraussetzung, um sich in den kommenden Jahren zur wichtigen Stadt für Existenzgründer und Start-Up Unternehmen, vor allem auch im rapide wachsenden Gaming-Bereich, zu etablieren und – dank niedriger Lebenshaltungskosten – den bisherigen Tech-Hochburgen München, Berlin und Hamburg den Rang abzulaufen.

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