Einzelhändler in Halle-Leipzig Region leiden unter Konkurrenz mit Online-Riesen

Die Corona-Krise und die wachsende Konkurrenz mit Onlinehändlern treibt viele Einzelhändler in der Region Halle-Leipzig an den Rand der Insolvenz. Durch die Covid-19-Pandemie verzeichnete ein Großteil der Einzelhändler enorme Umsatzeinbrüche. Diese seien jedoch nicht nur auf die wiederholten Lockdowns zurückzuführen, sondern darauf, dass immer mehr Kunden auf den Onlinehandel zurückgreifen.

Aus der Angst heraus, während der Pandemie direkt in den Läden vor Ort einzukaufen, nutzen zunehmend mehr Kunden die Angebote großer Online-Anbieter wie Amazon oder Zalando. Zudem scheinen die Menschen immer bequemer zu werden und sich ihre Ware lieber direkt vor die Haustür liefern zu lassen, als selbst in die Innenstadt zu gehen. Dieser Trend führte nun dazu, dass rund einem Drittel der Einzelhändler das Geld fehlt, um in die Digitalisierung ihres Unternehmens zu investieren. Viele Betreiber fürchten indessen trotz finanzieller Unterstützung des Landes insolvent zu gehen. 

Laut einer Umfrage der Commerzbank im Raum Halle-Leipzig kämpft inzwischen jedes zweite Einzelhandelsunternehmen mit den finanziellen Einbußen seit Beginn der Pandemie. Davon gaben rund 23 % der Einzelhändler an, dass die aktuelle Situation die Existenz ihres Geschäfts bedroht. Dennoch scheint der Großteil der Befragten Hoffnung in die Zukunft zu setzen. Dabei soll der Fokus vor allem auf dem Ausbau der Digitalisierung liegen, denn das Einkaufsverhalten der Kunden hat sich innerhalb der letzten Jahre stark verändert. 

Doch obwohl immer mehr Menschen auf den Onlinehandel zurückgreift, hat der Bedarf an persönlicher Beratung nicht abgenommen. Ganz im Gegenteil: Aus der Umfrage ging hervor, dass jeder vierte Händler eine steigende Nachfrage nach einem persönlichen Kontakt mit Händlern und Verkäufern sucht. Dementsprechend scheinen die Konsumenten sowohl den Einzelhandel vor Ort als auch die Angebote aus dem Internet gleichermaßen zu nutzen. Dies könnte im Zuge der Digitalisierung für viele Unternehmen sogar eine bisher nie dagewesene Chance bieten.

“Mit der Pandemie haben viele Kunden auf den Onlinehandel zurückgegriffen, um größeren Menschenmengen zu entgehen. Daher führten einige Einzelhändler neue Online-Systeme ein, mit denen Termine im Laden vor Ort für eine persönliche Beratung vereinbart werden konnten. Weiterhin wurde vielerorts die Bestellung von Waren im Internet mit einer Abholung vor Ort ermöglicht, sodass sich die Kunden nicht länger im Laden aufhalten müssen. Andere führten sogar einen eigenen Online-Shop ein, über den die Kunden die Waren direkt aus dem Geschäft bestellen und diesen somit finanziell unterstützen konnten. Dementsprechend hoch ist inzwischen auch die Nachfrage nach Web-Entwicklern und IT-Experten, die solche digitalen Lösungen für den Einzelhandel überhaupt erst möglich machen” erklärt ein Gründer der digitalen Weiterbildungsplattform metalecture.com

Dennoch sind viele Einzelhändler aus der Region besorgt, dass die Innenstädte in der Region durch große am Stadtrand gelegene Einkaufszentren und den zunehmenden Onlinehandel verwaisen könnten. Aus diesem Grund wünschen sich viele ein verbessertes Angebot an Parkplätzen, Radwegen, Fahrradparkplätzen und einen erweiterten Ausbau des ÖPNV. Auch Parkanlagen und Grünflächen könnten die Innenstädte für Einwohner und Besucher wieder attraktiver gestalten und mehr Leben in die Geschäfte vor Ort bringen. 

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