Flüchtlinge aus der Ukraine: In Leipzig ankommen und arbeiten

Seit der Krieg im Februar 2022 in der Ukraine ausgebrochen ist, sind über 10.000 Flüchtlinge in Leipzig registriert worden. Die meisten davon möchten so schnell wie möglich einer Berufstätigkeit nachgehen. Gleichzeitig gibt es in der Stadt viele Unternehmen, die händeringend nach Arbeitskräften suchen. Daraus ergibt sich eine gute Möglichkeit für die Ukrainer und Ukrainerinnen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. In diesem Artikel wollen wir einige Informationen für den Arbeitseinstieg in Leipzig bereitstellen.

Wie sieht es mit der Arbeitserlaubnis aus?

Deutschland ist ein Bürokratie-Staat und da stellt sich sowohl für die einstellenden Unternehmen als auch für die Flüchtlinge zunächst einmal die Frage nach der Arbeitserlaubnis. Grundsätzlich gilt hierbei, dass es jedem Geflüchteten aus der Ukraine gestattet ist, ein Arbeitsverhältnis einzugehen, sofern diesem eine Aufenthaltserlaubnis gemäß § 24 Absatz 1 AufenthG zugeteilt wurde. Diese wird von der zuständigen Ausländerbehörde ausgestellt und berechtigt zum Arbeiten. Auch wer lediglich über eine Fiktionsbescheinigung verfügt, darf eine Berufstätigkeit aufnehmen.

Sofern die Aufenthaltserlaubnis mit der Bemerkung “Erwerbstätigkeit erlaubt” versehen ist, kann grundsätzlich jede Art von Arbeit, darunter auch Leiharbeiten, aufgenommen werden. Darüber hinaus steht es Geflüchteten aus der Ukraine frei, selbstständig tätig zu werden. Freiberufliche Tätigkeiten sind ebenso gestattet wie die Gründung eines Unternehmens.

Wichtigste Schritte zur Arbeitsaufnahme in Leipzig

Als ukrainischer Flüchtling ist es naheliegend, sich nach einem Beruf umzusehen, für den man bereits qualifiziert ist. Je nachdem, ob es sich dabei um einen in Deutschland reglementierten Beruf handelt, kann die Qualifikation in Leipzig anerkannt werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung informiert auf seiner Webseite darüber, ob ein Anerkennungsprozess erforderlich ist und welche Schritte dafür in die Wege geleitet werden müssen.

Unterstützung für die Arbeitssuche in Leipzig gibt die lokale Agentur für Arbeit. Dabei sind die Vorbereitungen einer ordentlichen Bewerbung, die Suche nach einer geeigneten Stelle als auch die konkrete Vermittlung eingeschlossen.

Bewerbungsvorbereitungen

Bei der Vorbereitung einer ordentlichen Bewerbung gilt es eine Bewerbungsmappe zu erstellen, die folgende Dokumente enthält:

  • Deckblatt
  • Motivationsschreiben
  • Lebenslauf mit aktuellem Bewerbungsfoto
  • Anlagen wie zum Beispiel Referenzschreiben

In der heutigen Zeit ist es nicht mehr allzu verbreitet, gedruckte Bewerbungsmappen zu erstellen. Zum Schutz der Umwelt und der Einfachheit halber bevorzugen die meisten Unternehmen einen rein digitalen Bewerbungsvorgang. Für die Praxis bedeutet dies, dass ein Deckblatt entfallen kann und das Motivationsschreiben Inhalt der Mail ist. Die weiteren Dokumente wie der Lebenslauf und die Anlagen sind als Anhang an die Mail einzufügen. Dabei ist zu beachten, dass die Dateien stets dieselbe Formatierung beibehalten und es nicht etwa zu verrückten Zeilen kommt. Um dies sicherzustellen, empfiehlt sich das Versenden von PDF-Dateien. Mit dem Konverter von Acrobat können Word-Dateien bequem online in PDFs umgewandelt werden.

Stellensuche

Auch die Stellensuche hat sich überwiegend ins Internet verlagert. Es besteht folglich die Möglichkeit, auf Suchmaschinen wie Google zurückzugreifen oder sich vom Jobcenter Leipzig aktiv unterstützen zu lassen. Wer die erste Option wählt, wird feststellen, dass es zahlreiche Portale gibt, die speziell dem Thema Jobsuche gewidmet sind. Leipzig ist darüber hinaus eine Stadt, die sich in stetiger Entwicklung befindet, aus der sich immer wieder neue Arbeitsangebote ergeben. Aktuell wird in der Region durch das medizinische Großforschungszentrum auf die Schaffung Tausender neuer Arbeitsplätze gehofft.

Konkrete Vermittlung

Sind die Bewerbungsunterlagen formuliert und an passende Stellenausschreibungen geschickt worden, ist Geduld gefragt. Je nach Aufkommen können durchaus einige Wochen ins Land ziehen, bis Unternehmen auf eine eingegangene Bewerbung reagieren. Anschließend kann es passieren, dass ein Anruf aus dem Nichts erfolgt, weil das Unternehmen ein spontanes Telefoninterview durchführen möchte. Es ist also sinnvoll, bereits beim Abschicken der Bewerbung gut vorbereitet zu sein. Damit ist gemeint, dass Informationen zum Unternehmen eingeholt wurden und man sich der Aufgaben bewusst ist, die mit der ausgeschriebenen Stelle einhergehen. Darüber hinaus gilt es auch, Antworten auf gängige Fragen eines Vorstellungsgespräches parat zu haben, z. B.:

  • Welches sind Ihre Stärken und Schwächen?
  • Welche Gehaltsvorstellung haben Sie?
  • Warum möchten Sie bei Unternehmen XYZ arbeiten?
  • Welche Fragen haben Sie zum Unternehmen bzw. zur ausgeschriebenen Stelle?

Der letzte Punkt ist Teil eines jeden Bewerbungsgesprächs. Meist wird der Bewerber zum Ende des Termins hin gefragt, ob dieser Fragen oder Anmerkungen hat. Kommen einem in diesem Moment keine Fragen in den Sinn, kann dies desinteressiert wirken. Es ist daher sinnvoll, drei möglichst konkrete Fragen vorzubereiten, bei denen es wenig wahrscheinlich ist, dass diese bereits im Verlauf des Gesprächs beantwortet wurden.

Neben einem spontanen Telefoninterview besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass Sie zu einem persönlichen Bewerbungsgespräch eingeladen sind. Da die meisten Vorbereitungen bereits getroffen wurden, gilt es nun nur noch, sich mit der Frage des Outfits zu beschäftigen.

Sonderhotline der Bundesagentur für Arbeit

Speziell für Flüchtlinge aus der Ukraine, die auf der Suche nach Arbeit sind, hat die Bundesagentur für Arbeit in Leipzig eine Sonderhotline eingerichtet. Unter der Nummer 0911-1787915 können Ukrainer und Ukrainerinnen in ihrer Heimatsprache Informationen zur Arbeitssuche erhalten. Leider ist die Hotline nicht frei von Gebühren.

Informationen für potenzielle Arbeitgeber

Unternehmen, die gerne Geflüchtete aus der Ukraine beschäftigen möchten, werden von der Stadt Leipzig ebenfalls unterstützt. So können sich diese an den Arbeitgeberservice der BA wenden, der beratend tätig wird.

Für Unternehmer ist es außerdem wichtig zu wissen, dass keine Vorrangigkeitsprüfung beachtet werden muss. Sofern die Eintragung “Erwerbstätigkeit erlaubt” in der Aufenthaltsbescheinigung vermerkt ist, muss keine Vorrangprüfung stattfinden.

Alternativen zur Aufnahme einer Berufstätigkeit

Wenn die Sprachbarriere zu groß ist, kann es sinnvoll sein, sich nicht direkt mit der Arbeitssuche zu befassen, sondern einen sogenannten Integrationskurs zu besuchen. Diese zielen in erster Linie darauf ab, die deutsche Sprache zu vermitteln. Das zur Verfügung stehende Angebot ist vielfältig und unterscheidet sich hinsichtlich der Intensität und der Zielgruppe. So gibt es beispielsweise Kurse, die sich an Jugendliche wenden oder solche, die ausschließlich Frauen vorbehalten sind.

Zudem gibt es Basiskurse, die mit der B1-Sprachprüfung abgeschlossen werden, und spezielle Berufssprachkurse. Während Erstere keinerlei Vorkenntnisse erfordern, wenden sich Letztere an Geflüchtete, die bereits gewisse Sprachkenntnisse mitbringen. Unter den Berufssprachkursen können außerdem verschiedene Bereiche gewählt werden, wie zum Beispiel Einzelhandel, Technik oder Gesundheit.

Die Teilnahme an den Sprachkursen ist für Geflüchtete aus der Ukraine kostenlos.

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