Das Internet ersetzt das Fernsehen. Ein Grund zur Sorge?

Das klassische Fernsehen hat ein Problem. Schon seit Jahren gelingt es ihm nicht, das junge Publikum zu erreichen. Der Durchschnittsdeutsche verbringt zwar auch 2020 noch rund vier Stunden am Tag vor dem Fernseher verbringt. Bei Zuschauern unter 40 Jahren ist es jedoch nur die Hälfte, Menschen unter 30 sehen sogar nur rund eineinhalb Stunden am Tag fern. Der Grund dafür dürfte vor allem das Internet sein. 

Gründe für den Wandel

Unterhaltung und Informationen sind seit jeher die beiden großen Säulen, auf die sich der Fernsehkonsum stützt. Die Online-Konkurrenz ist in beiden Bereichen stark. Die Vielfalt bei der Unterhaltung ist online deutlich größer. Filme und Serien können auf Netflix oder bei Amazon nach Belieben abgerufen werden. Auf Youtube und in den sozialen Netzwerken werden interessante Inhalte von den Nutzern erstellt und geteilt. Noch größer dürfte allerdings die Rolle von Videospielen sein. Langsam aber sicher lösen Online-Spiele als Freizeitbeschäftigung das Fernsehen ab. Dazu dürfte auch die große Vielfalt der Angebote beitragen. Esports, Handy-Apps und Browserspiele sprechen ein breites Publikum an. Auch was die Bereitstellung von Informationen angeht hat das Internet die Nase vorne. Nachrichten, Reiseberichte oder Bildungsangebote gibt es online in Hülle und Fülle. Und nicht nur was die Vielfalt der Inhalte angeht ist das Internet im Vorteil. Dank Smartphones und Tablets können diese zu allem Überfluss nahezu überall konsumiert werde. Der Fernseher hingegen ist auf seinen Platz im Wohnzimmer beschränkt. In Zeiten steigender Bequemlichkeit kann das Fernsehen, einst selbst das Sinnbild des Faulenzens, nicht mehr mithalten.

Einbußen bei den Werbeeinnahmen

Das wirkt sich auch auf die Werbeeinnahmen der Fernsehsender aus. Mit sinkender Reichweite des Programms sinkt auch der Wert der Sendezeit. Zudem haben viele Unternehmen den Schwerpunkt ihrer Werbestrategie ins Internet verlagert. Die geringere Nachfrage tut ihr übriges, um die Werbeeinnahmen zu drücken. Das trifft vor allem die privaten Sender hart. Noch profitieren sie von ihrer Marktmacht, um fallenden Preisen für Werbespots entgegenzuwirken. Denn das Privatfernsehen in Deutschland besteht im Wesentlichen aus der ProSiebenSat.1 Media und aus der RTL Group, die unter sich den Großteil der Zuschauer erreichen. Wie lange das noch funktioniert, ist allerdings fraglich. Denn ein Ende des Zuschauerrückgangs ist aktuell nicht abzusehen.

Zukunft der Senderlandschaft

Die Entwicklung dürfte dazu führen, dass die Vielfalt der deutschen Senderlandschaft in Zukunft weiter abnimmt. Einzig das öffentlich-rechtliche Fernsehen muss sich aufgrund der Rundfunkgebühren und seiner Rolle als Verbreiter staatlicher Weisheiten keine Sorgen machen. Die Versorgung der Deutschen mit Daily Soaps und uninspirierten Krimis dürfte also auch in einer fernen Zukunft sichergestellt sein. Im Privatfernsehen dürften es zuerst die kleinen Sender sein, die sich verabschieden müssen. Wie gut es den großen Sendern in Zukunft geht, dürfte auch von ihrer Fähigkeit abhängen, interessante neue Konzepte zu entwickeln. Die gefühlt hundertste Auflage von „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Germany‘s Next Topmodel“ dämpft aber jeden Optimismus, was die Kreativität der Programmverantwortlichen angeht. In Zeiten, in denen sich die junge Generation ihr Programm im Zweifelsfall einfach selbst gestalten kann, ist das bedenklich.

In Anbetracht ständiger technischer Neuerungen bleibt die Frage nach der Zukunft des Fernsehens deutlich spannender als das TV-Programm. Schon in wenigen Jahrzehnten ist die deutsche Medienlandschaft möglicherweise nicht mehr wiederzuerkennen. Das Publikum verfolgt die Entwicklung gelassen vom Sofa aus, denn Alternativen sind längst da.

Empfehlungen
Nach oben

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.Datenschutz ansehen