Hohe Zinsen? In vielen Fällen sorgt eine Umschuldung für eine spürbare Entlastung

Aufgrund der hohen Inflation ist damit zu rechnen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nach langem Zögern das Zinsniveau nun wieder anheben wird. Aus diesem Grunde ist es sinnvoll, jetzt noch über die Option nachzudenken, bestehende Kredite durch eine Umschuldung abzulösen. Denn eine solche ist derzeit noch zu einem sehr niedrigen Zinssatz zu bekommen. Umschuldung bedeutet, dass einer oder mehrere bestehende Kredite durch ein neues, günstiger verzinstes Darlehen abgelöst werden. Abhängig von der Kreditsumme und der Restlaufzeit sind Ersparnisse im drei- oder vierstelligen Bereich keine Seltenheit. Hinzu kommt, dass eine Umschuldung einen besseren Überblick über die eigenen Finanzen ermöglicht. Denn nun muss nur noch eine einzige Rate überwiesen werden, wo früher mehrere Gläubiger zu unterschiedlichen Terminen ihr Geld bekommen mussten.

Wann ist eine Umschuldung sinnvoll?

Der beste Grund für eine Umschuldung lässt sich in nur einem Satz zusammenfassen: Die Umschuldung ist dann lohnenswert, wenn der neue Kredit unter Berücksichtigung aller Kosten günstiger ist als die bereits bestehenden Darlehen. Dabei sind auch mögliche Abschlusskosten für einen neuen Ratenkredit zu berücksichtigen. Man kann aber schon jetzt kostenlos einen Kreditantrag zur Umschuldung stellen. Auch wenn ein bisheriger Gläubiger in vielen Fällen bei einer vorzeitigen Kündigung des bisherigen Darlehens die Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung verlangen kann, ist die Umschuldung womöglich trotzdem die billigere Alternative. Denn maßgeblich für diese Vorfälligkeitsentschädigung ist die dazu erlassene EU-Verbraucherkreditrichtlinie. Demnach muss sich diese Entschädigung bei Kreditverträgen, die nach dem 10. Juni 2010 abgeschlossen wurden, prozentual an der Höhe der noch zu zahlenden Restschuld orientieren. Ist die Laufzeit noch länger als zwölf Monate, so darf höchstens ein Prozent Vorfälligkeitsentschädigung verlangt werden. Läuft der Vertrag sogar in weniger als zwölf Monaten aus, ist das Maximum mit 0,5 Prozent gedeckelt.

Die günstige Zinslage ist aber nur ein Grund für die Umschuldung vorhandener Darlehen. Eine verbesserte Einnahmesituation spricht ebenfalls für diesen Schritt. Denn durch höhere Einnahmen bei gleichbleibenden Ausgaben verbessert sich automatisch die eigene Bonität. Mit einer besseren Bonität sinkt auch das Niveau der zu zahlenden Zinsen. Hierfür findet man online diverse Rechner, die einen möglichen Zinssatz zwar nicht bis zur Nachkommastelle kalkulieren können. Sie liefern aber einen guten Anhaltspunkt und bieten die Möglichkeit des Vorher-nachher-Vergleichs.

Mit einer verbesserten Bonität kann man natürlich auch die Rahmenbedingungen wie die Laufzeit und die Ratenhöhe eines neuen Kredites besser aushandeln. Hier gibt es entweder die Möglichkeit, durch höhere raten schneller schuldenfrei zu werden oder durch eine niedrigere Rate mehr finanziellen Spielraum zurückzuerlangen.

Nach welchem Prinzip funktioniert eine Umschuldung?

Eine Umschuldung folgt den drei im Folgenden genannten Schritten. Die genauen Details sind natürlich immer abhängig vom Institut und von der Höhe der Gesamtschuld.

Erstens: Wie hoch ist die aktuelle Restschuld inklusive Ablösegebühren?

Zuerst braucht es einen Überblick über sämtliche Verbindlichkeiten. Dazu gehören Raten- und Rahmenkredite ebenso wie der Dispo des Girokontos und die Belastung der Kreditkarte.

Für Rahmenkredite kann man beim jeweiligen Institut eine Ablösebescheinigung anfordern, die sämtliche relevanten Informationen zum laufenden Kredit gibt und die Kosten bei einer vorzeitigen Ablösung genau benennt. Durch eine solche Bescheinigung kann man den Prozess der Umschuldung stark beschleunigen, da das neue Institut alle Informationen auf einen Blick bekommt. Wünscht man bereits vor der Kündigung eines Kredites eine Ablösebescheinigung, so verlangt das Institut dafür meistens eine Servicegebühr.

Zweitens: Wo und wie ist eine Umschuldung zu welchen Konditionen möglich?

Es gibt zahlreiche Institute, die eine Umschuldung anbieten. Die Konditionen können sich deutlich unterscheiden, sodass sich ein Vergleich der verschiedenen Anbieter lohnt. Bei den diversen Instituten sollte man stets eine schufaneutrale Anfrage zu den Kreditkonditionen stellen. Eine gezielte Anfrage zu einem Kredit folgt erst, wenn man sich schließlich für einen Anbieter entschieden hat. Bei der allgemeinen Anfrage zuvor sollten stets die gleichen Angaben gemacht werden, denn nur so ist ein wirklich objektiver Vergleich möglich.

Die Summe der Umschuldung sollte immer mindestens so hoch sein wie die Restschuld. Eine Ausnahme gilt dann, wenn frei verfügbares Kapital eingebracht werden kann, um einen Teil der Restschuld bereits zum Zeitpunkt der Umschuldung abzulösen. Der neue Kredit sollte stets unter dem Stichwort der Umschuldung aufgenommen werden, da sich das positiv auf die Kreditprüfung auswirkt. Das Zinsniveau lässt sich durch den Eintrag eines zweiten Kreditnehmers, etwa des Ehepartners, oft noch minimieren. Dies gilt vor allem dann, wenn die zweite Person eine recht gute Bonität vorzuweisen hat.

Drittens: Den neuen Kredit abschließen und alte Kredite kündigen

Nach dem Vergleich kommt die Entscheidung für eines der Angebote. Nun kann man den gewählten Kredit abschließen. Dabei ist mit dem Institut zu klären, ob man sich selbst um die Kündigung laufender Kredite kümmern muss oder ob dies durch die Bank erledigt wird. In diesem Zusammenhang ist die bereits erwähnte Ablösebescheinigung der bisherigen Bank besonders hilfreich. In vielen Fällen kann sie den Umschuldungsprozess auf wenige Tage verkürzen.

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