Leipzig ist eine „Kommune der Biologischen Vielfalt“, doch die heimischen Arten, die neben den Menschen in der Stadt leben, verlieren mehr und mehr ihren Lebensraum. Leipzig wächst durch Bauprojekte ohne Rücksicht auf die städtische Natur. Leipzig schrumpft für die Tiere und Pflanzen. Mit den Grünflächen gehen nicht nur Lebensräume für heimische Arten verloren, es leiden auch Stadtklima und menschliche Gesundheit, denn der Anblick von Grün und der Gesang von Vögeln ist nachweislich ein wesentlicher Faktor für das Wohlbefinden. Und die Flächen haben auch eine Funktion für das städtische Klima, die bei rücksichtsloser Bebauung ebenfalls verloren geht. Leipzig wird zur Hitzestadt, auch darunter leidet die menschliche Gesundheit.
Biotopverbundkonzept als Ergebnis jahrelanger Zusammenarbeit
Der Verlust der Stadtnatur ist weitgehend unbemerkt. Darum ist jede Maßnahme, die wenigstens ein Stück weit gegensteuert, begrüßenswert. Die Umweltverbände NABU Regionalverband Leipzig e. V., BUND Leipzig und Ökolöwe e. V. werben deshalb für die Zustimmung des Stadtrates zum Biotopverbundkonzept. Es stellt einen ersten wichtigen Grundstein dar. Langfristig müssen die enthaltenen Maßnahmen schrittweise umgesetzt werden, um den dauerhaften Erhalt und die Vernetzung von Lebensräumen für Tier- und Pflanzenarten im Stadtgebiet zu sichern und dem weiteren Arten- und Lebensraumverlust wirksam entgegenzutreten. Das Biotopverbundkonzept soll bei Fragen der Stadtentwicklung und bei Bauleitplanungen berücksichtigt werden und in die Fortschreibung des Landschaftsplanes einfließen.
In den Jahren 2020 bis 2025 gab es intensive und regelmäßige Abstimmungen zwischen dem Stadtplanungsamt, beauftragten Planungsbüros, dem Amt für Stadtgrün und Gewässer, dem Amt für Umweltschutz und den Umweltverbänden. Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist das nun vorliegende Biotopverbundkonzept, das die Leipziger Grünflächen naturschutzfachlich bewertet und konkrete Maßnahmen für die weitere Arbeit an der Biotopverbundplanung benennt. Diese Zusammenarbeit zur Erarbeitung des Konzeptes ist Ergebnis eines Stadtratsbeschlusses von 2020.
Die Vorgeschichte:
Massiver Verlust von Lebensräumen
Zwischen 2016 und 2019 hatte der NABU Leipzig in ehrenamtlicher Arbeit dokumentiert, dass in Leipzig auf mindestens 250 Flächen mit einer Gesamtgröße von rund 100 Hektar Lebensräume für Tiere und Pflanzen durch Gehölzrodungen und Bauvorhaben ersatzlos zerstört wurden. Ausweichflächen für die betroffenen Arten existieren nicht mehr. Die Tiere und Pflanzen verlieren ihre Heimat, die Menschen in Leipzig verlieren Stadtnatur und Lebensqualität – Leipzig schrumpft.
Eine detaillierte Stellungnahme sowie eine Karte der Flächenverluste sind unter www.nabu-leipzig.de/leipzig-schrumpft abrufbar.
Petition „Bauen und Natur erhalten“
Um diesem fortschreitenden Lebensraumverlust entgegenzuwirken und Natur- sowie Artenschutz auch bei Bauvorhaben verbindlich einzufordern, initiierte der NABU Leipzig im März 2019 die Petition „Bauen und Natur erhalten! Artensterben stoppen! Wertvolle Grünflächen für LeipzigerInnen schützen!“. Unterstützt wurde die Petition vom BUND Leipzig, dem Ökolöwe e. V. sowie dem Ornithologischen Verein zu Leipzig e. V..
Mit mehr als 6.000 Unterschriften erreichte die Petition das notwendige Quorum zur Einreichung im Stadtrat und sollte am 14. Oktober 2020 in einen Ratsbeschluss münden. In der Ratsversammlung wurde jedoch innerhalb von nur 30 Sekunden der Verwaltungsstandpunkt als Beschlussvorlage angenommen. Dieser ging nicht auf die konkreten Forderungen der Petition ein, sondern verwies lediglich auf bereits geplante Maßnahmen und bestehende Gesetze, deren Unzulänglichkeit gerade Anlass der Petition war.
Weitere Informationen:
www.nabu-leipzig.de/stellungnahmen/bauen-und-natur-erhalten
Der Stadtrat beschloss allerdings, gemeinsam mit den Umweltverbänden eine Biotopverbundplanung zu erarbeiten. Der Oberbürgermeister wurde beauftragt, die Voraussetzungen für eine Stadtbiotopkartierung und eine Biotopverbundplanung mit Unterstützung der Umwelt- und Naturschutzverbände zu prüfen und dem Stadtrat eine entsprechende Vorlage vorzulegen.
Diese Vorlage steht nun zur Abstimmung. Die Umweltverbände hoffen auf die Zustimmung des Stadtrates.
