Leipzig

Bach-Archiv Leipzig zieht positive Jahresbilanz 2010

Wiedereröffnung, Bachfest und Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb

Leipzig, 23.12.2010
Bach-Archiv Leipzig zieht positive Jahresbilanz 2010

Bach-Archiv Leipzig, Foto: LEIPZIGINFO.DE

Eine mehr als erfreuliche Jahresbilanz 2010 zieht das Bach-Archiv Leipzig. Im Jahr der international beachteten Wiedereröffnung des sanierten und bereits zweifach prämierten Bach-Museums Leipzig wurden ein erfolgreiches Bachfest Leipzig und der XVII. Internationale Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb realisiert. Zudem wurde die Neue Bach-Ausgabe mittels eines Gesamtregisters komplettiert, und gleichzeitig erschien der erste Band der nunmehr revidierten Werkausgabe. Hierbei kamen neue Forschungsmethoden wie zerstörungsfreie Tintenuntersuchungen mittels Röntgenfluoreszenzanalyse zum Einsatz. Weitere Bände der Gesamtausgaben der Bachsöhne Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel wurden ebenfalls fertiggestellt. Die Kollektion des Bach-Archivs Leipzig ist um zahlreiche und zum Teil spektakuläre Ankäufe erweitert worden. Im Dezember 2010 fand zudem mit der Sammlung Kulukundis eine der wertvollsten Privatsammlungen zur Bachfamilie in Leipzig eine neue Heimstatt.

Im Jahr 2010 wurde unter Anwesenheit des Bundespräsidenten Horst Köhler das sanierte und neu gestaltete Bach-Museum Leipzig unter internationaler Beobachtung wiedereröffnet. In diesem Rumpfgeschäftsjahr des Museumsbetriebs wurden bereits knapp 48.000 Besucher begrüßt. Vor der Umbauphase wurden im Jahr 2007 insgesamt nur 31.000 Besucher gezählt. Ausgezeichnet wurde das Museum bereits im Wiedereröffnungsjahr als "Ausgewählter Ort im Land der Ideen" sowie mit dem Leipziger Tourismuspreis der LTM GmbH.

Mit der Sammlung Elias N. Kulukundis findet ab Dezember 2010 eine der wertvollsten Privatsammlungen zur Bachfamilie für den Zeitraum von zehn Jahren eine neue Heimstatt im Leipziger Bach-Archiv. Die Sammlung Kulukundis beinhaltet u.a. die autographe Partitur der Oper "Zanaida" Johann Christian Bachs, die bis dato als verschollen galt. Des Weiteren wurde die Kollektion des Bach-Archivs Leipzig im Jahr 2010 durch zahlreiche Neuerwerbungen erweitert, u.a. durch ein Pastellporträt Carl Philipp Emanuel Bachs aus dem Jahr 1773, ein Ölbildnis des Komponisten Conrad Friedrich Hurlebusch (1691–1765) von Cornelius van der Smissen, der autographen Quittung für eine Clavier-Miete Johann Sebastian Bachs aus dem Jahr 1747, das Fragment einer Kopie der Chromatischen Fantasie BWV 903 und um eine Abschrift der verschollenen "Anweisung zum Fantasiren" Jacob Adlungs (um 1725) aus dem Jahr 1800. Die Ankäufe konnten mittels Unterstützung des Packard Humanities Institutes, Kalifornien, Elias Kulukundis‘ und Sir Ralph Kohns realisiert werden.

Das Bachfest Leipzig konnte in 2010 knapp 65.000 Besucher aus aller Welt begrüßen und behauptet sich damit erfolgreich im Kanon der wichtigen internationalen Musikfestivals. Zum Höhepunkt des zehntägigen Bachfests Leipzig, das mit über 100 Veranstaltungen vom 11. bis zum 20 Juni 2010 in und um Leipzig ein breites Programmspektrum von Kammermusik bis hin zu Open-Air-Veranstaltungen abdeckte, geriet die Aufführung von Johann Sebastian Bachs "h-Moll-Messe" durch The Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists unter Leitung von Sir Eliot Gardiner in der Thomaskirche Leipzig. Der Aufführung lag der erste Band der »revidierten Neuen Bach-Ausgabe« zu Grunde, der ebenfalls in 2010 erschien.

Nach Abschluss der Edition "Neue Bach-Ausgabe", deren Gesamtregister ebenfalls in diesem Jahr vorgelegt wurde, geht die ab 2010 publizierte »revidierte Neue Bach-Ausgabe« methodisch neue Wege. Erstmals in der Geschichte der Edition Bachscher Werke kommt Graustich zum Einsatz, um verschiedene Überlieferungsschichten zu differenzieren. Den komplizierten Schreiberfragen werden - in der Bach-Forschung bisher einmalig – mit naturwissenschaftlichen Hilfsmitteln wie zerstörungsfreien Tintenuntersuchungen mittels Röntgenfluoreszenzanalyse begegnet. Des Weiteren ist in diesem Jahr die Seite www.bach-digital.de freigeschaltet worden, die Bachsche Autographe einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht und deren Angebot kontinuierlich erweitert wird. Die Gesamtausgabe der Werke Wilhelm Friedemann Bachs wurde um weitere Bände, bzw. die Gesamtausgabe der Opera Carl Philipp Emanuel Bachs um einen Band erweitert. Das Bach-Jahrbuch 2010 mit Beiträgen von Michael Maul, Hans-Joachim Schulze und Peter Wollny sowie ein Band der Reihe "Beiträge zur Geschichte der Bach-Rezeption" wurden ebenfalls veröffentlicht.

Der XVII. Internationale Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb fand in den Fächern Violine/Barockvioline, Cembalo und Klavier im Zeitraum vom 7. bis zum 17. Juli 2010 statt. Unter 125 Teilnehmern über 30 Ländern errangen Ilya Poletaev (Klavier), Maria Uspenskaya (Cembalo) und Evgeny Sviridov (Violine/Barockvioline) - allesamt aus Russland stammend - den Titel "Bachpreisträger". Alle drei Fachjurys waren mit jeweils neun international renommierten Künstlern und Professoren hochkarätig besetzt: im Fach Klavier unter anderem Malcolm Bilson (USA), Choong-Mo Kang (SK), João Carlos Martins (BS), im Fach Cembalo Lionel Party (USA/Chile), Michael Behringer (D) und Robert Hill (D/USA) sowie James Buswell (USA), Lucy van Dael (NL) und Rainer Kussmaul (D) im Fach Violine.

Darüber hinaus wurden im Jahr 2010 zwei weitere Ausgaben des Bach-Magazins publiziert. Neben einer Sonderausgabe zur Museumseröffnung im Frühjahr thematisiert die Herbstausgabe u.a. den 300. Geburtstag Wilhelm Friedemann Bachs. Die Kabinettausstellung "Wilhelm Friedemann Bach. Der hochbegabte, wunderliche Liebling des Vaters", die vom 10. September bis 5. Dezember 2010 im Bach-Museum Leipzig zu sehen war, stieß im Wilhelm-Friedemann-Bach-Jahr auf großes nationales Interesse. Eine zweiteilige wissenschaftliche Konferenz in Kooperation mit der Mitteldeutschen Barockmusik Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e.V., die u.a. Wilhelm Friedemann Bachs geistliches Kantatenwerk thematisierte, komplettierte die Aktivitäten rund um das Jubiläumsjahr des Bachsohnes.

Das Bach-Archiv Leipzig, das im Jahr 2010 sein 60jähriges Bestehen feierte und dessen Arbeit von Kulturstaatsministerin Sabine von Schorlemmer im Rahmen des Festakts ausdrücklich gewürdigt wurde, präsentierte sich auch außerhalb seines tradierten Aufgabenbereichs mittels eines Informationsstands innerhalb des Cafés Klangquartier auf der Leipziger Buchmesse sowie auf der ITB Berlin aktiv der internationalen Öffentlichkeit.

http://www.bach-leipzig.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht von LEIPZIGINFO.DE (Lars Schumann)


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